globaLE 2004

Spielorte waren die Schaubühne Lindendels, die naTo – AG Kommunales Kono und das UT Connewitz. Organisiert durch Evelyn Kleinert und ATTAC Leipzig.

Die Konsequenzen nationaler, europäischer und internationaler neoliberaler Globalisierungspolitik werden dramatisch sein!

Wir müssen die demokratische Meinungsbildung der Menschen intensivieren, radikal Aufklärung betreiben und Globlisierungskritik üben. Deshalb veranstaltet ATTAC-Leipzig Anfang 2004 eine globalisierungskritische Filmreihe globaLE. Wir wollen von Februar bis April den Mittwoch als globaLE-Filmabend in Leipzig etablieren und zu ausgewählten Filmen und Themen auch Gäste zur Diskussion einladen.

Die Filme verdeutlichen Zusammenhänge und Auswirkungen der globalisierten, kapitalistischen Ökonomie. Sie zeigen die Beziehungen zwischen Produktion und Konsum, Arbeitsverhältnissen und sozialer Ungerechtigkeit bei uns und weltweit. Durch das Benennen der Verantwortlichen und Nutznießer, hinter der herrschenden Form der neoliberalen Globalisierung, werden die Sachzwänge der Marktlogik infrage gestellt. Es werden aber auch Widerstandsformen gegen Ausbeutung und Ausgrenzung und Versuche zu alternativer gesellschaftlicher Organisation vorgestellt.

Für die Filmreihe wurden die Leipziger Kinos „Schaubühne Lindenfels“, die „naTo“ sowie das „UT Connewitz“ gewonnen. Dort werden jeweils einen Monat lang Filme zu einem Thema laufen. Bei der Filmauswahl greifen wir unter anderem auf das globalisierungskritische Filmfestival „Globale03“ zurück (www.globale03.de), welches von attac-Berlin im Dezember mitveranstaltet wurde.

Film als Ausdrucksform, bietet einen anderen Zugang zur Welt als Texte und politische Diskussionen. Kino ist öffentlicher Raum, hier sogar ein Raum kritischer Öffentlichkeit. Politisches Kino ist eine Möglichkeit, öffentliche Auseinandersetzungen über Politik – und hier über Globalisierungskritik – zu forcieren.

Februar

ARBEITSWELTEN
alle Veranstaltungen in der Schaubühne Lindenfels, jeweils 19:00 Uhr, Eintritt frei

 

04.02.04 Auftaktveranstaltung
Projektvorstellung, Film, Referat und Diskussion,
mit Peter Wahl (ATTAC)
PROFIT, NICHTS ALS PROFIT
Regie: Raoul Peck, Doku, 57 min., Deutschland 2001
Money makes the world go round. Aber so ganz rund läuft sie eben nicht: einerseits eine Makro-Ökonomie, die auf der Macht der Finanzmärkte basiert, andererseits die Mikro-Wirtschaft der Fischer und Bauern von Haiti, wo die Produkte des alltäglichen Lebens im Tauschverfahren unters Volk gebracht werden. Raoul Peck greift diesen Kontrast filmisch auf. Peck zeichnet eine Schaltplan der Mechanismen des globalisierten Kapitalismus und fragt nach dem Ergebnissen von Widerstand und den unterschiedlichen Formen des Protest seit den 70er Jahren. Er wagt eine Bilanz des Wechselspiels der sozialen Kämpfe mit seiner eigenen Biographie.

11.02.04 Arbeitswelten Nord/Süd
Film und Diskussion mit
Ulrike Wagner und Katja Braß (entimon),
Kai Ummerleé (EineWelt Leipzig) und
Katrin Rockenbauch (ATTAC-Leipzig)
in Zusammenarbeit mit entimon Leipzig
LEVIS-ARBEITERINNEN DIESER WELT
Frankreich 2002, Original mit deutschen Untertiteln
Was geschieht, bevor die Jeans in den Laden kommen? Arbeiterinnen von Levis sprechen über ihre Probleme. In Europa kämpfen die Frauen gegen Auslagerung der Produktion und gegen die Schließung der Betriebe. In der Türkei, in Indonesien und auf den Philippinen dagegen kämpfen die Levis-Arbeiterinnen um minimale Sozialstandards. Der Film lässt diese Welten aufeinander prallen: Er konfrontiert die belgischen Arbeiterinnen mit den Video-Interviews der indonesischen „Kolleginnen“.
www.oneworld.at/cck/start.asp

18.02.04 Prekäre Arbeitswelten
Film
FRIEND OR FOE
Regie: Jiyoung Lee, Labor News Production, 128 min., Korea 2003
Nach dem von der Weltbank vorgeschriebenen structural adjustment-Plan und den folgenden Privatisierungen in Korea werden die prekär Beschäftigten bei den Telekom-Betrieben eine Hauptzielscheibe. Es entbrennt ein über 500 Tage dauernder Kampf nachdem 7000 Arbeiter entlassen werden sollen. Am Ende geht der Kampf verloren wegen der massiven repressionen durch die Polizei, aber auch durch mangelnde Solidarität der fest Beschäftigten Kollegen. Der Film beleuchtet sowohl die Prekarisierung durch die Globalisierung, wie auch die strategischen Schwächen der Gewerkschaftsbewegung vor diesem Hintergrund.

25.02.04 Illegale Arbeitswelten
Film und Diskussion mit
Strojan Gugotschkow (Ausländerbeauftragter der Stadt Leipzig),
Karla Schielow (Flüchtlingsrat Leipzig, angefragt),
Ulrike Richter (CobraNet Migrantinneberatungsstelle),
Karl Kopp (ProAsyl, Konferenz Gegenstimmen, angefragt)
in Zusammenarbeit mit Arbeit und Leben Leipzig
OTRAS VÍAS – ANDERE WEGE
Regie: FrauenLesbenCollectiv Berlin, Doku, 56 min., Deutschland 2002
Ihr Leben ist bestimmt von kleinen Freuden und der großen Furcht vor der Ausweisung. Denn Zuhause wartet meist eine Familie auf Geld für die Ausbildung der Kinder und die Versorgung der Alten verdient wird. Eine Gruppe von spanischsprachigen Männern und Frauen berichtet vor der Kamera von ihrem Leben als Illegale in deutschen Metropolen. Dass sie im vermeintlichen Paradies nur die Wahl zwischen Putzen und Prostitution haben würden, war manchen von Ihnen von Anfang an klar.
www.kok-potsdam.de
www.aktivgegenabschiebung.de/links_illegal.html

 

März

PRIVATISIERUNG UND WELTWIRTSCHAFT
alle Veranstaltungen im UT Connewitz (außer 24.03).,
jeweils 19:00 Uhr, Eintritt frei (außer 18. & 19.03.)

 

03.03.04
Film
FETTE BEUTE
Regie: Inge Altemeier und Reinhard Hornung, Doku, 41 min., Deutschland 2002
Margarine ist ein Beispiel für den ganz normalen Wahnsinn der globalen Agrarwirtschaft. Was sich bei uns harmlos im Kühlregal stapelt, verursacht z.B. in Indonesien massive soziale und ökologische Schäden. Auf Sumatra werden für die Palmölplantagen transnationaler Konzerne riesige Urwaldflächen abgeholzt und Ackerland enteignet. Das alles geschieht im Rahmen der „Entwicklungshilfe“ mit milliardenschweren Krediten von Weltbank und EU.
Informationen von Robin Wood: www.umwelt.org/robin-wood/german/trowa/fg/oelpalmen.htm
Palmöl-Kampagne der WWF: www.wwf.de/kampagne/indonesien/palmoel/

THE GLOBALIZATION TAPES
Regie: indonesische Arbeiter und IOF, Doku, 68 min., Indonesien 2002, Original mit englischen Untertiteln
Die GLOBALIZATION TAPES wurden von Arbeitern der indonesischen Palmöl-Plantagen gedreht und zwar mit dem erklärten Ziel, sie weltweit Arbeitern in vergleichbaren Abhängigkeiten zugänglich zu machen. Durch diesen Ansatz wird der Film zu einem Mittel – und nicht zum bloßen Ausdruck – des Protests. Der Blick von innen auf die eigene Situation und der humorvolle Umgang der Arbeiter mit ihr verleihen den „Globalization Tapes“ einen besonderen Charme.
NGO für das Menschenrecht auf Nahrung: www.fian.de
Forum für internationale Entwicklung, Demokratie und soziale Gerechtigkeit: www.oneworld.at/suedwind.magazin/magazin/inhaltframe.asp?ID=2215

10.03.04
Film, Vortrag und Diskussion mit
Prof. Dr. Sarkis Latchinian (Leipzig)
in Zusammenarbeit mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen
WIEDERGEBURT DES LIBERALISMUS
Regie: Jean Druon, Doku, 60 min., Frankreich 1999, deutsch, Interviews: OmU
Nach der Weltwirtschaftskrise in den 30er Jahren war der Liberalismus diskreditiert. Erst mit den so genannten Chicago boys“ um Milton Friedman begann 40 Jahre später seine Wiedergeburt – der Neoliberalismus, der zunächst in Margaret Thatcher seine prominenteste politische Förderin in Europa fand.
In keinem der europäischen Staaten kam es je zu einer öffentlichen Debatte über den Liberalismus als solchen. Somit wurden eventuelle Alternativen von vornherein ausgeschlossen. Auch anerkannt hervorragend funktionierende öffentliche Dienste wurden geopfert und müssen sich nun auf einem freien“ Markt gewinnorientierten Konkurrenten stellen. Am Beispiel der Privatisierung der einst öffentlichen Telekommunikation zeichnet der Dokumentarfilmer Jean Druon den rasanten Siegeszug der Ideologie, ihre kompromisslose Übernahme durch die Politik und ihre Auswirkungen nach.
Am Beispiel der Privatisierung der Telekommunikation werden die Mechanismen der Liberalisierung Europas aufgezeigt.

17.03.04
Film
COTTONMONEY UND DIE GLOBALE JEANS
Regie: Peter Heller, Doku, 70 min. Deutschland 2001, Original mit deutschen Untertiteln
Vor zwanzig Jahren war Mbogos Dorf in Tansania ein Baumwolldorf. Auch der inzwischen über 80-jährige fand mit dem Anbau sein Auskommen. Er hatte vier Frauen und trank jeden Tag ein Glas Tee mit Milch, erzählt er von seinem bescheidenen Wohlstand. Heute verhungern Menschen in seinem Dorf. Baumwolle baut keiner mehr an. Cotton Jeans erzählt vom Niedergang der Baumwollproduktion in Tansania durch die Globalisierung und porträtiert die Akteure im System: die Bauern im Osten Afrikas, den deutschen Jeanshersteller, der die Produktion in Billiglohnländer auslagert, die Schweizer Handelsfirma, die das Vierfache der tansanischen Jahresproduktion an Baumwolle verkauft.
www.cleanclothes.org
www.monde-diplomatique.de/pm/2003/09/12.mondeText.artikel,a0048.idx,14

18. & 19.03.04, 21 Uhr, Spielfilm-Extra im UT
Film, Eintritt 4/5 €
THE NAVIGATORS
Regie: Ken Loach, 92 min., Großbritanien/Deutschland/Spanien 2001
Sheffield 1994. Einen Tag nach der Privatisierung der Britischen Eisenbahn werden auf dem Betriebsgelände die Firmenschilder ausgewechselt, und die Arbeiter vor die Wahl gestellt, mit einer Abfindung das Unternehmen zu verlassen oder neue Verträge zu anderen Konditionen zu akzeptieren. Denn mit der Privatisierung, so der neuen Geschäftsführer, soll ein radikaler Wandel der Unternehmenskultur durchgesetzt werden. Für die Eisenbahner ist das zunächst kein Grund, diese Ankündigung besonders ernst zu nehmen. Mit Witzen kommentieren sie die Videoansprache des neuen Chefs, während andere einfach einschlafen.
The Navigators erzählt die Geschichte einer Gruppe von Eisenbahnern, die in einem Depot in South Yorkshire arbeiten. Paul, Mick, Jim, Len und Gerry, die schon seit Jahren für die British Rail arbeiten und nicht nur Kollegen sondern auch enge Freunde sind, machen zunächst nur lustig über ihren neuen Arbeitgeber und die kuriosen Folgen der Privatisierung. Sie merken aber sehr bald, dass die Veränderungen in ihrem Arbeitsleben und die Neuordnung des Schienennetzes sich unwiderruflich auf ihr ganzes Leben aber vor allem auch auf ihre Freundschaft auswirkt. Als sie langsam die Konsequenzen zu verstehen beginnen und versuchen, sich den neuen Umständen anzupassen, geht auch ihre Freundschaft zu Bruch. Als es bei Gleisarbeiten zu einem schweren Unfall kommt, müssen sich Paul, Mick und John entscheiden, auf welcher Seite sie stehen wollen…

23.03.04
Film und Diskussion
TOTE ERNTE. DER KRIEG UMS SAATGUT
Regie: Kai Krüger und Bertram Verhaag, Doku, 45 min., Deutschland 2001
Percy Schmeiser ist der kanadische José Bové: unerschrocken kämpft er gegen scheinbar übermächtige Konzerne. So hat ihn der Chemie- und Saatgutkonzern Monsanto in einem haarsträubenden Prozess auf Patentverletzung anklagt. Ihr patentgeschützter genmanipulierter Raps hat sich durch Wind und Vögel „unerlaubt“ auf die Felder des Bauern verbreitet und wächst dort munter weiter. Auch die bayerischen Bauern nehmen den Kampf gegen den Global Player auf: denn Monsanto ist überall.

24.03.04, naTo
Film und Diskussion mit
Matthias Ladstätter (ver.di Berlin) und
Gerlinde Schermer (Berlin)
in Zusdammenarbeit mit ver.di Leipzig
WASSER, MACHT, GELD!
Regie: Michael Schomers, Doku, 45 min., Deutschland 2003
Wasser ist ein Geschäft geworden. Großkonzerne wie RWE und Vivendi haben das lebensnotwendige Nass als vermarktbares Gut entdeckt und gehen auf Einkaufstour, um im großen Stil kommunale Wasserversorger aufzukaufen. Der weltweite Markt für private Versorger wird nach Expertenansicht von derzeit 90 Milliarden Euro auf 450 Milliarden Euro im Jahr 2010 anwachsen.
Regisseur Michael Schomers spürt den Auswirkungen der Privatisierungswelle in Orten in Ungarn, Wales, Frankreich und Deutschland nach. Er hinterfragt die gängigen Argumente für die Privatisierung dieser sensiblen Infrastruktur und vergleicht sie mit den bisherigen Erfahrungen. Sein Befund ist ernüchternd: Weder ist das Wasser sauberer, noch der Umgang mit der kostbaren Ressource effizienter geworden. Stattdessen gehen die Privatisierungen einher mit Entlassungen und massiven Preiserhöhungen. Und nicht selten bedienen sich die Firmen krimineller Praktiken, um ihr Stückchen vom großen Kuchen zu sichern.
www.privatisierungswahn.de/wasser.html

31.03.04
Film
in Zusammenarbeit mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen
DIE SCHÖPFER DER EINKAUFSWELTEN
Regie: Harun Farocki, Doku, 72 min., Deutschland 2001, Deutsch mit englischen Untertiteln
Das Auge im Fadenkreuz: eine Maschine analysiert die Wahrnehmung des menschlichen Organs in einer Shopping Mall. In Harun Farockis Film wird das Bild zur Metapher für den Trend, aus natürlichen menschlichen Verhaltensweisen Kapital zu schlagen. Subtilster Mittel bedienen sich die „Schöpfer der Einkaufswelten“, um das große Ziel zu erreichen: mehr verkaufen. Eine ganze Armada von Wissenschaftlern, Beratern und Architekten macht sich Gedanken, wie die Shopping-Mall angelegt wird, wo die Bildbände im Laden stehen oder wie das Toastbrot gestapelt wird – eine manchmal lächerlich-komische, manchmal Orwellesk anmutende Angelegenheit.
www.oekonomisierung.de
www.inura.org
www.parkfiction.org

SURPLUS – TERRORIZED INTO BEING CONSUMERS
Deutschlandpremiere, Regie: Erik Gandini, Doku, 54 min., Schweden 2003, Original mit englischen Untertiteln
SURPLUS ist eine großartige filmische Collage von Bildern und Statements, die überraschende Sinn-Zuweisungen und Gegenüberstellungen ermöglicht.
Ausgehend von den Protesten in Genua, wo gezielt Markenläden angegriffen und beschädigt wurden, wird der Frage nachgegangen: Sind es diese Menschen, die die schöne Welt der Waren terrorisieren oder ist es nicht vielmehr umgekehrt? Es entsteht eine Art poetry-slam zwischen z. B. Fidel Castro und George W.Bush.
www.adbusters.org, kreative Anti-Werbung
www.unbrandamerica.org, Aktion gegen Werbung
SURPLUS unter www.atmo.se, Clips, Bilder, Informationen und mehr

 

März

WIDERSTAND, ALTERNATIVEN UND UTOPIEN
alle Veranstaltungen in der naTo (außer 26.04., 28.04.),
jeweils 19:00 Uhr, Eintritt frei (außer 19. & 20.04.)

07.04.04
Film
ZAPATISTAS – CRÓNICA DE UNA REBELIÓN
Regie: Victor Mariña und Mario Viveros, Doku, 120 min. Mexiko 2003, OmU
Mexiko, 1. Januar 1994: Das Freihandelsabkommen NAFTA tritt in Kraft, Mexiko wird damit zum Billiglohnland für die US-amerikanischen Konzerne.
Zeitgleich besetzt die EZLN (Ejército Zapatista de Liberación Nacional – Zapatistische Armee der nationalen Befreiung) Städte im Süden Mexikos. Sie ist der bewaffnete Teil der indigenen zapatistischen Bewegung in der Region Chiapas, die für die Rechte der indigenen Bevölkerung und gegen die neoliberale Ausbeutung kämpft. Im August 2003 wird dort eine Autonomie-regierung ausgerufen.
Der Film ist eine Chronik der vergangenen zehn Jahre: eine Region zwischen paramilitärischen übergriffen und der breiten zivilgesellschaftlichen Mobilisierung durch die Zapatisten. Exklusive Interviews mit Subcomandante Marcos und anderen Mitgliedern der Regierung zeigen die schwierigen Bedingungen, unter denen sich die Autonomiegebiete gegen die Armee behaupten müssen.
www.gruppe-basta.de
www.chiapas.ch

14.04.04
Film
EIN PLATZ AUF DER ERDE
Regie: Artur Aristakisyan, 125 min, Russland 2001, 35mm s/w OmeU
Der Regisseur Artur Aristakisyan bedient sich einer filmischen Form, die für Liebhaber des Kunstfilms allerorten sofort erkennbar ist. Seine philosophischen Ideen jedoch geben dem russischen Film eine komplett neue Richtung: Er fragt, ob der Vorschlag verrückt sei, die Gesellschaft nach den Prinzipien Liebe und Selbstaufopferung neu zu erschaffen. Der charismatische Anführer einer fiktionalen Moskauer Kommune scheint auf den ersten Blick ein bekannter Typus zu sein-ein idealistischer Hippie und heiliger Narr. Sein Bedürfnis, jede Beschränkung, jede Konvention der modernen gesellschaftlichen Ordnung in Frage zu stellen, führt letztendlich zu tragischen Ergebnissen. Die kleine Gruppe von Außenseitern schafft ihr eigenes Umfeld von Nirvana und Verrücktheit, kann aber der willkürlich eindringenden Außenwelt nicht entkommen.
Regisseur Artur Aristakisyan
Artur Aristakisyan 1966 in Chisinau (Moldau) geboren. Dies ist zwar erst Aristakisyans zweiter Film, doch gilt er bereits heute als einzigartiger Künstler, dessen Potenzial, ein führender visionärer Filmemacher zu werden, unübersehbar ist. Er brauchte acht Jahre, um zur Moskauer Filmschule (VGIK) zugelassen zu werden. Sein dortiger Professor stellte ihn vom Unterricht frei und ließ ihn unabhängig arbeiten. Das Resultat, Handflächen (Ladoni, 1994), gewann den Nika (den russischen „Oscar“) für den besten Dokumentarfilm, einen Preis für seinen Beitrag zur Filmsprache in Taormina, den Forum Grand Prix und den Wolfgang Staudte-Filmpreis in Berlin. Ein Platz auf der Erde wurde 2001 in Karlovy Vary mit dem Philip Morris Freedom Prize ausgezeichnet und zur Aufführung auf dem Sundance Filmfestival 2002 ausgewählt. Beide seiner Filme wurden auf den Filmfestspielen in Cannes für die Quinzaine des réalisateurs ausgewählt.

19. & 20.04.04, Extra in der naTo, 20:00 Uhr, Eintritt 4,50 €
Film, am 19.04. Diskussion mit der Regisseurin
JARMARK EUROPA
Regie: Minze Tummescheid, Doku, 124 min., Deutschland 2004, OmU
Der ‚Jarmark Europa‘ im Stadion ‚Dziesieciolecia‘ in Warschau ist einer der größten Basare in Osteuropa und Zentrum eines Kleinhandels, der in keiner Handelsbilanz auftaucht. Die Händler- Innen kommen aus den verschiedensten Ländern der ehemaligen Sowjetunion. Sie transportieren ihre Waren in den berühmten Tragetaschen nach Warschau oder in andere Städte westlich der Grenzen der ehemaligen SU. Auf Russisch werden sie ‚Tschelnoki‘ genannt. Das Wort ‚Tschelnok‘ bedeutet Weberschiffchen und beschreibt anschaulich den unsteten Lebensstil der Händler- Innen. Meist haben sie ihre bürgerliche Existenz gegen ein Leben in ständiger Bewegung zwischen ihrem Heimatort und dem Basar eingetauscht. Viele von ihnen sind AkademikerInnen, die zu wenig verdienen, um davon leben zu können, andere sind arbeitslos oder in Rente. Die ‚Tschelnoki‘ sind UnternehmerInnen der ersten Stunde in einer sich verändernden Gesellschaft. Es fällt auf, dass besonders viele Frauen auf diese Weise das Einkommen ihrer Familien sichern. Jarmark Europa erzählt von Kaleria Michajlowna, der ehemaligen Leiterin einer Poliklinik in ihrer Heimatstadt Penza, 700 km südöstlich von Moskau; sowie von Swetlana Anatoljewna, die aus Brest, der Grenzstadt zwischen Weißrussland und Polen kommt und früher eine angesehene Musiklehrerin war. Der Film begleitet Kaleria und Swetlana auf ihren Reisen, zu Hause und auf dem Basar und betrachtet die Auswirkungen der Osterweiterung der EU aus der Sicht jener, die draußen bleiben.

21.04.04
Film, Einführung und Diskussion mit
Dr. Peter Hamann (Leipzig)
in Zusammenarbeit mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen
MATE, TON UND PRODUKTION. ZANON – EINE FABRIK UNTER ARBEITERKONTROLLE
Regie: S. Dzeik und K. Wagenschein (ak kraak), Doku, 50 min. Argentinien/Deutschland 2003
Der neueste Film der beiden Berliner Filmemacherinnen zeigt beeindruckende Bilder aus einer besetzten Keramikfabrik in der argentinischen Provinz NeuquŽn. Seit zwei Jahren gilt sie als Symbol der neuen sozialen Bewegungen in Argentinien: Die Fabrik Ceramico Zanon ist im Rahmen der Wirtschaftskrise in Argentinien von Arbeitern besetzt worden und verwaltet sich als Basiskollektiv seitdem selbst. Bisherige Versuche, sie zu räumen, sind gescheitert. Landesweit haben Arbeiter über 160 leerstehende Betriebe und Fabriken übernommen, nachdem sich die alten Besitzer aus dem Staub gemacht hatten. Vom alltäglichen Kampf, Hoffnungen und politischen Konsequenzen berichten die beiden Regisseurinnen zwischen Matetee und der Produktion von Keramikfliesen. Gäste: Susanne Dzeik und Kirsten Wagenschein (ak kraak)
www.obrerosdezanon.org

26.04.04, Libelle (Kolonnadenstrasse 19, 04109 Leipzig)
Film, Diskussion mit dem Regisseur
DER TRAUM VOM FLIEGEN
Regie: Z. Solomun, ohne gepäck berlin / zdf 1999, 60 min
Im Oderbruch, einer der Regionen mit der höchsten Arbeitslosenquote in Deutschland, sehen immer mehr junge Männer ihre berufliche Perspektive in der Bundeswehr. Der anarchistische Filmemacher Zoran Solomun, der seit über zehn Jahren in Berlin lebt, befragte für seinen Film „Der Traum vom Fliegen“ einige dieser Jugendlichen. Gefilmt wurde an Orten, die noch vor kurzem Standorte der NVA oder Bundeswehr waren. Als Solomuns Film fast fertig war begann die NATO mit der Bombardierung Jugoslawiens.

28.04.04, Galerie für zeitgenössische Kunst
Film
DER CHINESISCHE MARKT
Blazevski Solomun Zoran Vladimir, Deutschland 2000, 93 min OV/d
Rasid aus Bosnien, Mihaela aus Rumänien, Bosko und Margit aus Ungarn leben vom Kleinhandel. Sie kaufen billig Waren ein und verkaufen sie mit kleinem Zugewinn weiter. Ein ehemaliger Generaldirektor, eine Krankenschwester, eine Beamtin oder ein Verlagsredaktor sind heute gezwungen, mit Hemden, Pullovern, Spielzeug, Kosmetika oder anderem, vorwiegend aus China stammenden Ramsch zu handeln. Die Beschaffung und der Transport der Waren ist mit strapaziösen Fahrten, stundenlangem Warten, Grenzkontrollen und der Angst, des Schmuggels bezichtigt zu werden, verbunden. Hauptumschlagplatz für alle diese Händler aus Not ist ein grosser Markt in Budapest. Der Film erzählt von den desolaten wirtschaftlichen Verhältnissen in Osteuropa und von den darin um ihr Überleben kämpfenden Menschen. Die Kamera begleitet sie auf ihren Routen; Szenen auf Märkten, an Grenzübergängen, in Wohnungen fügen sich länderübergreifend zu einem Netzwerk aus Biografien und Handlungswegen, das ein Bild frühkapitalistischer Globalisierung ‚von unten‘ evoziert. Über allen wirtschaftspolitischen Zusammenhängen geraten individuelle Schicksale nie aus dem Blick. Erst sie verschaffen Einsicht in die aussichtslose Zwangsmechanik eines permanenten Notstands.