globaLE 2005

SOZIALES UND KONZERNHERRSCHAFT

Den Flyer mit dem Märzprogramm gibt es
hier
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Am 02.03.05 um 19 Uhr in der naTo  /  Eintritt frei

Film und Diskussion
THE TAKE
Regie: Avi Lewis, Argentinien/Canada 2004, 87 min., OmeU
In der Folge von Argentiniens spektakulärem Wirtschaftskollaps im Jahr 2001 findet sich Lateinamerikas wohlhabendste Mittelklasse in einer Geisterstadt aus verlassenen Fabriken und Massenarbeitslosigkeit wieder. Am Stadtrand von Buenos Aires marschieren 30 arbeitslose Automechaniker in ihre ungenutzte Fabrik, rollen ihre Schlafsäcke aus und weigern sich, wieder zu gehen. Alles was sie wollen, ist die stillstehenden Maschinen wieder in Betrieb zu nehmen. Aber diese einfache Aktion – The Take – stellt die gesamte Globalisierungslogik auf den Kopf.
Regisseur und Produzent Avi Lewis (Counterspin) und die Schriftstellerin und Produzentin Naomi Klein (No Logo) nehmen die Zuschauer mit in das Leben dieser ‚gewöhnlichen‘ Visionäre, zeigen wie diese ihre Arbeit, ihre Stolz und ihre demokratischen Rechte zurückerobern.
Deutschlandpremiere!

Vorfilm: YO MANGO TANGO (5 min.)

 



Am 07. und 08.03.05 um 21 Uhr
und am 09.03.05 um 23 Uhr im UT Connewitz  /  special

GOAT WALKER – DER WEG DER ZIEGE
Regie: Bartek Konopka, Polen 2004, 55 min, OmU

Geiß statt Geld. Um für die Bewohner einer polnischen Gemeinde die Grundversorgung mit Milch und Käse sicherzustellen, wurde ein ungewöhnliches Sozialhilfeprojekt aus der Taufe gehoben: Statt finanzieller Zuwendungen bekommen sie jeweils eine Ziege. Die „Spende“ der Breslauer Landwirtschaftsuniversität leistet Hilfe zur Selbsthilfe. Ein nicht immer einfaches Unterfangen – denn so eine Ziege ist nicht nur gefräßig, sie kann auch ganz schön stur sein. Doch trotz einer turbulenten Eingewöhnungsphase kommen sich Mensch und Tier allmählich näher. Und als sich Ziegennachwuchs einstellt, träumt die Projektleiterin schon von der Ausweitung des Projekts. Goat Walker gewährt einen amüsanten Blick auf die polnische Realität am Vorabend der EU-Erweiterung. Mit der Idee, all dies aus der Perspektive der Ziege zu erzählen, gewannen die jungen polnischen Filmemacher Bartek Konopka und Piotr Rosolowski von der weltberühmten Andrzej Wajda Master School den Planet-Dokumentarfilmpreis 2004.
Ein Film von Bartek Konopka und Piotr Rosolowski
Wird gezeigt mit freundlicher Unterstützung von PLANET TV.

 



Am 09.03.05 um 19 Uhr im UT Connewitz  /  Eintritt frei

THE CORPORATION
Regie: Mark Achbar/Jennifer Abbott,
Canada 2003, 145 min., englische Originalfassung

Vor 150 Jahren waren Firmen relativ unbedeutend. Heute sind sie lebhafter, dramatischer und durchdringender Bestandteil unseres Lebens. Ähnlich wie es Kirche, Monarchie oder Kommunistische Partei zu anderen Zeiten und an anderen Orten waren, ist der Konzern heute die dominierende Institution. Die Geschichte zeigt jedoch, dass dominierende Institutionen dazu neigen, unterzugehen. Alle sind bisher zusammengebrochen, geschwunden oder in einer anderen Ordnung aufgegangen. Dass es dem Konzern anders ergehen sollte ist unwahrscheinlich.
In diesem komplexen, umfassenden und unterhaltsamen Dokumentarfilm untersucht Mark Achbar (Manufacturing Consent: Noam Chomsky and the Media) zusammen mit Jennifer Abbott und dem Schriftsteller Joel Bakan die weitreichenden Folgen der wachsenden Vorherrschaft der Konzerne.
Auf der Grundlage von Bakans Buch „The Corporation: The Pathological Pursuit of Profit and Power“ enthüllt der Film die innere Funktion, die Geschichte, die problematischen Auswirkungen sowie die mögliche Zukunft der Konzernmacht. Dabei kommen Noam Chomsky, Michael Moore, Howard Zinn u.v.a. zu Wort.
„The Corporation“ zeigt den spektakulären Aufstieg der Konzernmacht, die allein darauf ausgerichtet ist, bestimmte wirtschaftliche Ziele zu erreichen. Der Film beschriebt aber auch die Erfolge im Kampf gegen diese scheinbar unsichtbare Macht.
Preisträger auf dem Sundance-Filmfestival sowie in Amsterdam, Vancouver, Calgary und Toronto

Vorfilm: CONSUMPTION (3 min.)

 



Am 16.03.05 um 19 Uhr im UT Connewitz
/  Eintritt frei

EISZEIT
Regie: Daniela Michel/Alexander Kleider,
Deutschland 2004, 45 min.

Der Film erzählt die Geschichten dreier Menschen in der BRD im Jahre 2004. Für die Menschen im Film bedeutet jedes verabschiedete Gesetz eigenes Schicksal. Kommentarlos, direkt, erfühlt der Zuschauer die Stimmung einer Gesellschaft im Wandel. Er taucht ein in eine nach wie vor geteilte Stadt, geteilt nicht mehr in Ost und West, sondern in Arm und Reich. Sensibel werden die Menschen begleitet. Träume, Hoffnungen und Enttäuschungen, aber auch Wut werden spürbar sowie die Auswirkungen eines politischen Wertewandels im Zeichen der Agenda 2010. Kontrastvoll eingerahmt werden diese biographischen Nahaufnahmen von Bildern, die die Gesichter der „Reform“-Vertreter – des Arbeitgeberlagers und des rot-roten-Kürzungssenats – zeigen. Es sind die zynischen Gesichter des „neuen“ Berlins, der Hauptstadt der Neuen Armut.


AMERIKA, AMERIKA
Regie: Mikael Wiström,
USA/Schweden 1998, 57 min

Workfare und Working Poor in den USA – an anschaulichen Beispielen wird der tägliche Kampf ums Überleben filmisch verarbeitet. „Working Poor“ – Diese neue Gesellschaftsschicht entstand während der 1996 gestarteten Reformen. Jeder, der Leistungen des Sozialsystems erhält, muss sich verpflichten, innerhalb von zwei Jahren einen Arbeitsplatz zu finden. Nach Ablauf dieser Frist sollen alle Ansprüche erlöschen. Viele dieser ArbeiterInnen leben unterhalb der Armutsgrenze. Eine von ihnen ist Alice. Sie zieht ihre vier Kinder allein groß und versucht, sich mit mehreren kleinen Jobs über Wasser zu halten. Erica und Galen sind beide Angestellte. Sie reichen gerade die Scheidung ein, um wenigstens einigermaßen von der dann fälligen Unterstützung mit ihrem kleinen Kind leben zu können. Tims Arbeitszeit wurde willkürlich um die Hälfte reduziert, nun ist er auf der Suche nach einem Nebenjob. Und Paul leidet darunter, dass er aufgrund seiner schweren Arbeit in vier verschiedenen Großwäschereien keine Familie gründen kann.

 



Am 20., 21. und 23.03.05 um 22.00 in der Schaubühne Lindenfels

und am 22.03.05 um 19 Uhr im UT Connewitz  /  special
CHAIN
Regie: Jem Cohen,
USA 2004, Dokufake, 99 min., OmU

In Chain werden Einkaufspassagen, Vergnügungsparks, Hotels und Konzernzentralen der ganzen Welt zu einer monolithischen Superlandschaft zusammengefasst, die das Leben zweier Frauen bestimmt und einengt: einer Angestellten, die für eine Firma die internationale Vergnügungspark-Industrie untersucht und dabei von ihrem Auftraggeber im Stich gelassen wird; sowie einer jungen Herumtreiberin, die illegal am Rande einer Einkaufspassage arbeitet. Fünf Jahre lang hat Regisseur Jem Cohen mit seiner Kamera die westliche Welt bereist, u.a. Japan, Nordamerika, West- und Osteuropa. Es sind suggestive Aufnahmen von gigantischen Stadtlandschaften und künstlichen Welten entstanden, in denen sich die Menschen verlieren: Es scheint keine Wurzeln mehr zu geben, menschliche Bindungen lösen sich auf, alles wird flüchtig.
„Chain“ findet für die kalte Welt des Neoliberalismus kraftvolle, eindringliche Bilder und Geschichten. Ein ganz außerordentlicher Film.

 



Am 23.03.05 um 19 Uhr im UT Connewitz  /  Eintritt frei

Film und Diskussion
GROW OR GO – DIE ARCHITEKTEN DES GLOBAL VILLAGE
Regie: Marc Bauder, Deutschland 2003, 95 min.
Diana, Steffi, Thomas und Marc-Philipp sind Absolventen einer privaten Wirtschaftshochschule, sogenannte „High Potentials”. Mit vierundzwanzig Jahren sind sie wesentlich jünger als durchschnittliche Studienabgänger, wissen jedoch seit ihrer Kindheit, was Ehrgeiz und Disziplin bedeuten – und sehr genau, was sie wollen: Einen Job in einer der weltweit führenden Unternehmensberatungen.
Wer sich innerhalb des extrem selektiven Rekrutierungsverfahren behaupten kann, dem winken Anfangsgehälter um die 60.000 Euro, ein Firmenwagen, Handy, Laptop, zahlreiche Dienstreisen und diverse Zusatzleistungen – vor allem jedoch: Die Zugehörigkeit zu einem der global operierenden Konzerne, die sich selbst als ‚große Familie‘ verstehen.
Doch ein Bekenntnis zur Leistungsgesellschaft und der weitgehende Verzicht auf ein Privatleben sind noch keine Garantie für eine Karriere in dieser Branche. Wer wirklich weiterkommen will, muss das Motto „grow or go” zu seiner Lebensphilosophie machen und permanent die Fähigkeit zur unbedingten Selbstkritik beweisen. Wer das als Einschränkung oder gar Bedrohung empfindet, ist hier falsch, denn: „Stillstand ist Rückschritt”.

Anschließend Diskussion mit Marc Bauder und Ulrich Müller

Vorfilm: OUT OF TIME (18 min.)

 



Vom 24. bis 28.03.05 um 20 Uhr in der naTo  /  special

INVISIBLE – ILLEGAL IN EUROPA
Regie: Andreas Voigt,
Deutschland 2004, 91 min

In einem Flüchtlingscamp in Marokko wartet Oumar auf die Gelegenheit, die 25 Kilometer Mittelmeer, die ihn von Europa trennen, zu überwinden, vielleicht, indem er sich zwei leere Plastikkanister unter den Bauch bindet. Malika wartet mit ihrer Familie zwei Jahre in einem Flüchtlingscamp in Polen auf eine Aufenthaltsgenehmigung. Sie zeigt Bilder von früher, als noch Frieden war in Tschetschenien. Bilder von ihr und ihrem Mann an einem Sonntagnachmittag im Park. Ein europäisches Paar, das unsere Eltern sein könnte. Zwei von fünf Menschen, die dieser Film porträtiert. Sie alle leben, zumindest eine Zeitlang, ohne Papiere in Europa, hoffen auf einen Neubeginn. Geschichten über die Relativität des Wortes Glück.

Leipzig-Premiere!

 



Am 30.03.05 um 21.30 Uhr im UT Connewitz  /  Eintritt frei

IGUAZU EFFECT
Regie: Pere Joan Ventura, Spanien 2002, 89 min., OmeU

2001 wurde in einer Nacht-und-Nebel-Aktion die Sintel, eine Tochterfirma der spanischen Telekomgesellschaft Telefonica, verkauft. 1800 Beschäftigte verloren ihren Job. Die über das Land verstreuten Mitarbeiter bauen von einem Tag auf den anderen ein Straßencamp in Madrid auf und demonstrieren, kochen, duschen und leben 187 Tage vor den Türen der Bosse. Damit wollen Sie vor dem „Iguazu Effect“ warnen, nach dem der Fischer im besonders ruhigen Strom vor dem Wasserfall die Gefahr nicht erkennt und unbeirrt auf den Abgrund zusteuert. Der Film zeigt das alltägliche Leben im Ausnahmezustand und diskutiert die Situation der ArbeiterInnen unter der Vorherrschaft der globalisierten Marktlogik.

Gewinner des Goya-Filmpreises


WE ARE WORKERS, OR NOT?
Regie: Kim Mi Re, Südkorea 2003, 60 min., OmeU

Die Fahrer einer koreanischen Betonfabrik finden sich plötzlich in einer seltsamen Situation wieder: Gegen ihren Willen werden sie zu „selbständigen Spediteuren“, auch wenn ihnen ihre Vorarbeiter und Chefs genauso kleinlich auf die Finger schauen wie vorher. Nur der Lohn sinkt, die Arbeitszeiten werden länger, und die Reparaturen ihrer LKWs zahlen sie selbst. Als sie eine Gewerkschaft gründen und den alten Status einfordern, zerbrechen ihre Illusionen von Dankbarkeit und Gerechtigkeit Stück für Stück.
Drei Jahre lang kämpfen sie mit unglaublicher, fast militärischer Disziplin und großer Verzweiflung um Anerkennung bis sich schließlich die ersten Teilerfolge einstellen. Jahre zuvor haben ihre Kollegen in Japan exakt die gleichen Erfahrungen gemacht.
Der Film der koreanischen „Labor News Production“ zeigt eindrucksvoll die koreanische Widerstandskultur und verdeutlicht gleichzeitig die weltweit stattfindende Prekarisierung von Arbeitsverhältnissen.

Dokumentarfilmpreis des Fribourg International Film Festival.

 

WELTHANDEL UND NORD-SÜD-BEZIEHUNGEN

Den Flyer mit dem Aprilprogramm gibt es
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Am 06.04.05 um 19 Uhr in der Schaubühne  /  Eintritt frei

Film und Diskussion
Darwin’s Nightmare
Regie Hubert Sauper, Frankreich/Österreich/Belgien 2004,

107 min., OmeU
Irgendwann wurde in den Viktoriasee in Ostafrika eine fremde Fischart eingesetzt – ein kleines
wissenschaftliches Experiment. Der Nilbarsch, ein hungriges Raubtier, hat innerhalb von drei Jahrzehnten
fast den gesamten Bestand der ehemals 400 Fischarten ausgerottet. Dafür werden seine Filets jetzt in
die ganze Welt exportiert.
An den Ufern des größten tropischen Sees der Welt landen jeden Abend riesige
Frachtflugzeuge, um am nächsten Morgen wieder gen Norden zu starten, beladen mit hunderten
Tonnen frischer Fischfilets. In Richtung Süden jedoch ist eine andere Ladung an Bord: Waffen.
Für die unzählbaren Kriege im dunklen Herzen des Kontinents.
Dieser florierende globale Handel von Kriegsmaterial und Lebensmitteln hat an den Ufern des
größten tropischen Sees der Welt eine seltsame Stimmung und Menschenmischung erzeugt,
welche die „Darsteller“ dieses Films repräsentieren: einheimische Fischer, Agenten der Weltbank,
heimatlose Straßenkinder, afrikanische Minister, EU-Kommissare, tansanische Prostituierte, russische
Piloten…

Anschließend Diskussion mit Christine Müller (Entwicklungsdienst der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsen) und Dr. Jürgen Kunze (Deutsch-Afrikanische Gesellschaft in Leipzig)

 



Am 13.04.05 um 19 Uhr in der Schaubühne  /  Eintritt frei

100% Baumwolle – Made in India
Regie: Inge Altemeier, Deutschland 2003, 29 min, deutsch
Baumwolle ist der natürlichste und meist genutzte Rohstoff für unsere Textilien. Unsere
Kleiderschränke und Warenhäuser sind gefüllt mit ihnen. Keiner sieht dem Weißen
Gold an, daß bei seiner Produktion in Drittweltländern Unmengen von Pestiziden eingesetzt
werden, die in Europa längst verboten worden sind. Und das Gift kommt zurück. Denn auch in
unseren Baumwolltextilien, die wir auf der Haut tragen, finden Wissenschaftler immer wieder
Rückstände von Pestiziden und gesundheitsschädlichen Stoffen.
Der Baumwollbauer Annand in Indien versprüht schon seit Jahren die hoch giftigen Pestizide.
Mittlerweile leidet er unter Lähmungserscheinungen und einer tauben Zunge; genauso wie die
Textilarbeiterinnen in Tirrupur. Auch die Anzahl von Fehl- und Mißgeburten häufen sich bei
den indischen Baumwollbauern. Über 300 haben sich schon umgebracht. Alle waren bei
Pestizidhändlern hoch verschuldet. Um die Schädlinge zu stoppen, hatten sie immer
größere Mengen teurer Gifte der Firma Bayer, Höchst und Ciba Geigy auf ihre Felder
gesprüht. Doch das Gift wirkt nicht mehr gegen die Resistenzen der Insekten. Sie vernichten weiter
die Ernten.
Trotzdem wird das schmutzige Geschäft mit dem Gift nicht gestoppt. Die Pestizidproduktion der
europäischen Pharmakonzerne vernichtet in Gujarat ganze Landstriche und die Lebensgrundlage
tausender Menschen.

Sonderpreis des Bundesumweltministerium auf dem Ökomedia-Filmfestival.


T-Shirt Travels – The Story of Second Hand Clothing and Third World Dept
in Zambia

Regie: Shantha Bloemen, USA 2001, Doku 65 min, OmeU
In einer kraftvollen Mischung aus persönlichen Geschichten und politischer Analyse erzählt
Shanta Bloemen die Geschichte des Second-Hand-Marktes in Sambia. Ausgehend von ihrem Erstaunen, dort
an jeder Ecke AC/DC- und Iron Maiden-Shirts zu sehen, interviewt Sie die vielen Klein- und
Großhändler, für die der T-Shirt-Verkauf die einfachste Form der
Existenzgründung ist und fragt weiter nach den Zusammenhängen zwischen Europa, den IWF-
Auflagen und der einheimischen Textilindustrie.
Bester Dokumentarfilm, Antlanta Film Festival, Chairman’s Award, Zanzibar Film Festival, Best of
Human Rights & Justice, Vermont International Film Festival

Vorfilm: SCHÖN & GUT (6 min.)

 



Am 12.04. um 21 Uhr und am 13.04. um 22.30 Uhr in der Schaubühne
und
am 14.04. und 15.04. um 19 Uhr im UT Connewitz  /
special

Hop
Regie: Dominique Standaert, Belgien/Frankreich/Niederlande 2002, Spielfilm 100 min, OmeU
Der illegale Flüchtling Dieudonne aus Burundi wird festgenommen, als zwei rechtsradikale Flamen
seinen Fernseher aus dem Fenster schmeißen. Sein 13-jähriger Sohn Justin kann entwischen und
landet auf dem verfallenen Bauernhof des Alkoholikers Frans. Zusammen mit seiner Haushälterin
Gerda nimmt Frans den Kampf gegen die Autoritäten auf, um Justin wieder mit seinem Vater
zusammen zu bringen. Eine wichtige Rolle spielt dabei der Sprengstoff, den Frans noch aus seiner Zeit als
anarchistischer Bombenleger übrig hat…
Verrückt, verträumt und originell aber trotzdem niemals wirklich unglaubwürdig.

Preisträger der Festivals: Buster Copenhagen 2003, Oulu 2003, Cinemagic Belfast 2003, und
Sprockets Toronto 2004

 



Am 20.04.05 um 19 Uhr in der Schaubühne  /  Eintritt frei

Film und Diskussion
The Coconut Revolution

Regie: Dom Rotheroe, Großbritannien 1999, 50 min, englisch
Bougainville war eine fast vergessene Insel irgendwo im pazifischen Ozean. Bis plötzlich Ende der
80er Jahren eine Öko-Revolution begann, die sich zum Unabhängigkeitskampf ausgeweitet hat.
Die Gegner der Inselbewohner: der britische Minenkonzern BCL, dessen Kupferabbau seit den 60er Jahren
Landschaft, Pflanzen, Tiere und Menschen verseucht hat. Doch schnell war es auch ein Kampf gegen
Armeeeinheiten aus Papua-Neuguinea und Australien, die die Interessen des Minenkonzerns durchsetzen
sollten. Dennoch war die Revolte gegen diese fast übermächtigen Gegner erfolgreich – dank der
bemerkenswerten Fähigkeit der Widerständischen, ihr gesamtes Wissen und
Improvisationstalent für den Kampf zu bündeln. Der Film zeigt die unglaubliche
Ökorevolution auf Bougainville, der auch eine lang andauernde Blockade der Insel nichts anhaben
konnte: die Medizin kommt aus dem Urwald, Wasserkraft plus altem Aggregat sorgen für Strom,
Kokosöl dient als Treibstoff der Autos, aus alten Metallteilen werden Waffen. Und jeden Tag kommen
neue Ideen dazu.

Amnesty International Awards

Vorfilm: INSTINCT (10 min.)

Anschließend Diskussion mit Karl Albani (Fachreferent für Papua-Neuguinea und den Pazifik beim Evangelisch-Lutherischen Missionswerk in Leipzig)

 


Am 20.04.05 um 21.30 Uhr in der Schaubühne  /  special

Mondovino
Regie: Jonathan Nossiter, USA/Frankreich 2004, Doku 136 min
Exklusive Preview der Weinglobalisierungsdoku, die ab 28.04. regulär läuft (s.u.)

 



Vom 25. bis 27.04.05 um 21 Uhr im UT Connewitz  /  special

Bedwin Hacker
Regie: Nadia El Fani, Tunesien 2002, Spielfilm 103 min, OmeU
Eine geniale Hackerin bringt ganz Frankreich durcheinander: Zur Zeit der höchsten Einschaltquoten –
vorzugsweise während der Übertragungen der Fußball EM – spaziert plötzlich ein
Cartoon-Kamel über den Bildschirm, begleitet von anti-rassistischen Botschaften auf Arabisch. Die
Handschrift: ‚bedwin hacker‘. Der französische Geheimdienst macht sich auf die Jagd, ein Katz-und-
Maus-Spiel mit immer neuen Wendungen beginnt.
Kultiger feministischer Multikulti-Agenten-Trash aus Tunesien.



Am 27.04.05 um 21 Uhr in der Schaubühne  /  Eintritt frei

Al Norte
Regie: Dario Azzellini/Harry Haener/Boris Kanzleiter, Deutschland 1997, 25 min, OmU
„Cuidado Peligro“ – Vorsicht Gefahr, warnt in sarkastischer Weise ein Schild an der Grenze zwischen
Mexiko und den USA. Tausende Mexikaner versuchen täglich diese Grenze zu überqueren, um
der Armut zu entfliehen und in das „gelobte Land“ USA zu gelangen. Sie sind illegale Grenzgänger –
Menschen, die nach einer Lebensperspektive suchen, welche ihnen Mexiko längst nicht mehr bieten
kann.
Die Reaktion der US-Behörden auf die wachsende Migrationsbewegung ist die Militarisierung der
Grenze, ihres Hinterlandes und eine zunehmend migrantenfeindliche Gesetzgebung. Die Folgen dieser
Entwicklung sind einerseits wachsende rassistische Übergriffe gegen MigrantInnen in den USA und
andererseits eine Verschärfung der ohnehin prekären Arbeitsverhältnisse für die
MigrantInnen und eine wachsende physische Gefährdung beim immer risikoreicher werdenden
illegalen Grenzübertritt.
In Tijuana, der größten Stadt auf der mexikanischen Seite der Grenze, ist eine Barriere
entstanden, die überwindbar scheint. Unter der gleißenden Sonne ziehen sich mittlerweile drei
Stahlmauern wie stählerne Schlangen durch den Wüstensand. In der Nacht werden sie von
Flutlichtanlagen aus gespentisch anmutenden Wachtürmen angestrahlt. Die Grenzpolizei fährt
Patroullie und hat Infrarot- und Nachtsichtanlagen installiert. Allein zwischen 1993 und 1996 sind 1.185
Migranten beim Grenzübertritt umgekommen.
Der Dokumentarfilm „al norte“ zeigt, wie die Grenzanlagen zwischen Mexiko und den USA
aufgerüstet werden. Es kommen Menschen zu Wort, die den unsicheren Grenzübertritt in
Tijuana wagen wollen oder bereits wieder abgeschoben wurden. In Südmexiko erklären
Kleinbauern, warum sie ihre Dörfer verlassen müssen. Die dritte Station des Filmes ist Mexiko-
Stadt, die Metropole der Armut, die den Migranten als Sprungbrett in den Norden dient.


Australia’s Pacific Solution
Regie: Sarah Macdonald, Großbritannien 2002, 60 min, OmU
Im September 2001 reagiert die australische Regierung mit einer extremen Regelung auf 400 afghanische
Flüchtlinge, die vor der Küste im Indischen Ozean aus Seenot gerettet worden waren. Diese
Regelung – The Pacific Solution – ist zum Synonym für die neue australische Asyl- und
Einwanderungspolitik geworden. Anstatt die Flüchtlinge aufzunehmen, internierte Australien diese auf
der eigentlich selbständigen, aber bankrotten Insel Nauru und zahlte als Gegenleistung 30 Millionen
Dollar.
Australien rühmt sich, dass seit der Einführung der pazifischen Lösung keine
Flüchtlinge mehr das Festland erreichen sie werden nämlich entweder von der
Küstenwache aufgegriffen und nach Nauru gebracht oder ertrinken bei ihren Fluchtversuchen.
Der Film zeigt eindrucksvoll, wie Fremdenangst im australischen Wahlkampf instrumentalisiert wird und
Menschenrechte und Menschenwürde gnadenlos unter die Räder kommen.


Nichts ist wie das Leben, aber das Leben ist nichts
Regie: Moise Merlin Mabouna II, Brigitta Kuster, Deutschland 2002, 24 min, OmU
Der Film beginnt als Reportage: Es wird vom Alltag in einem Heim für Asylbewerber erzählt –
mit Residenzpflicht, Alltagsrassismus, Monotonie/ Perspektivlosigkeit/ Ressourcenlosigkeit etc.
Dann beginnen die Regisseure, über den Film selbst zu reflektieren. Wie werden Menschen in einer
Situation dargestellt, die jede Individualität negiert, die dazu angetan ist, unsichtbar zu machen, in eine
Form zu pressen, auf immer in der Rolle des/r „Anderen“ festzuschreiben? Der Film erzählt parallel
und in Brüchen, wie jemand zum Flüchtling wird, aber auch zum Regisseur.
Der Ort, in dem das Heim für Asylsuchende liegt und der Film großteils gedreht wurde,
heißt Zerbst. Zerbst liegt in Sachsen-Anhalt, Deutschland. Aber es liegt auch nicht in Deutschland. Es
liegt nirgends und könnte überall sein, in Holland, Australien, Lybien …

 



Ab dem 28.04.05 um 19.30 Uhr in der Schaubühne  /  special

Mondovino
Regie: Jonathan Nossiter, USA/Frankreich 2004, Doku 136 min
Die Weinwelt als Schauplatz der Globalisierung: Da ist einerseits die Erfolgs-Saga milliardenschwerer
Weinunternehmen aus dem kalifornischen Napa Valley (Robert Mondavi Winery, Harlan Estate, Staglin
Family Vineyard) und die Rivalität zweier aristokratischer Wein-Dynastien in Florenz (das Geschlecht
der Frescobaldi und der Antinori). Außerdem: eine Familie aus Burgund (Domaine Hubert de
Montille), für die die traditionelle Kultivierung ihrer acht Hektar Weinbergbesitz seit Generationen
eine Angelegenheit ist, worin sich ihr Leben, ihre Kultur und ihre Geschichte spiegelt. Des Weiteren: ein
Sturkopf aus dem Languedoc (Aime Guibert), der seit Jahren einen konservativen Anti-
Globalisierungskampf ficht. Und schließlich: das zufällig erscheinende Zusammenspiel
zwischen der ebenso lächelnden wie impertinenten Dynamik eines Jet-Set-Önologen aus
Bordeaux (Michel Rolland) und der ebenso naiven wie raffinierten Macht eines multinational agierenden
Weinkritikers aus Maryland/USA (Robert Parker).
Diese Menschen und ein Dutzend weiterer sind die Hauptdarsteller von MONDOVINO. Sie erzählen
von den Erschütterungen, die den Weinanbau des vergangenen Jahrzehnts gravierender
verändert haben, als die Geschichte von sechs voran gegangenen Jahrhunderten zusammen.
Jahrtausende hindurch ist Wein ein Symbol von Zivilisation gewesen. Noch nie ist der Kampf um seine
Seele, sowie die Seele derer, die für ihn, mit ihm und durch ihn leben so vehement geführt
worden wie derzeit. Noch nie stand so viel Geld – und Stolz – auf dem Spiel. Aber der Frontverlauf
schlägt Haken, er ist nie so, wie man es erwartet: Regional gegen Global, einfache Bauern gegen
mächtige Industriebosse, Traditionalisten gegen Moderne – das können nur erste Orientierungen
auf dem langen Weg durch die Welt des Weins sein. MONDOVINO geht diesen Weg: so investigativ wie
genussfreudig, so unterhaltend wie faktenreich, so gründlich wie rasant.



Vom 28.04. bis zum 01.05.05 um 20 Uhr in der naTo  /  special

El Tren Blanco
Regie: Nahuel Garcia/Sheila Perez Gimenez/Ramiro Garcia, Argentinien 2003, Doku 80 min, wh.
OmU

Jeden Abend erreicht ein Weißer Zug Buenos Aires. Er hat in den Vororten Männer, Frauen
und Kinder eingesammelt, die „cartoneros“ – Kartonmenschen. Sie müssen ihren Lebensunterhalt damit verdienen, dass sie zusammensuchen, was andere wegwerfen. Die meisten von Ihnen waren früher Arbeiter, Tischler oder Friseure und sind heute Menschen ohne jede materielle Sicherheit, ausgestossen von einem System, das auf sie keine  Rücksicht nimmt. ‚El Tren Blanco‘ portraitiert sie einfühlsam und versucht, die Situation zu reflektieren, in der sich ein großer Teil der argentinischenGesellschaft befindet, infolge einer rücksichtslosen neoliberalen Politik der letzten Jahre.

 

MEDIEN UND WIDERSTAND

Den Flyer mit dem Maiprogramm gibt es demnächst.

 


Am 04.05.05 um 19 Uhr in der naTo / Eintritt frei

Film und Diskussion
Weapons of Mass Deception
Regie: Danny Schechter, USA 2004, 100 min., OF
Es gab zwei Kriege im Irak: der eine ausgetragen mit Armeen von Soldaten,
Bomben und militärischer Gewalt, der andere parallel dazu mit Kameras,
Satelliten, Armeen von Journalisten und Propaganda.
Die amerikanischen Fernsehstationen betrachteten ihre Non-Stop-Berichterstattung
als eine große Leistung. Sie argumentierten, dass sie mit „eingebetteten“
Journalisten und moderner Satellitentechnologie das erste Mal den Krieg
dem Zuschauer aus nächster Nähe übertragen konnten. Aber
in anderen Ländern sah der Krieg anders aus. Warum?
Für alle, die die amerikanische Berichterstattung sahen, war der Krieg
eher ein Spektakel, ein globaler rund-um-die-Uhr Medienmarathon. Der Wettkampf
zwischen den Fernsehanstalten um die aufregendsten Bilder nahm wenig Rücksicht
auf die Wahrheit und wirft mindestens so viele Fragen auf wie der militärische
Intervention im Irak, über welche berichtet und die von den Medien
– teilweise – auch gefördert wurde.

Vorfilm: L’AXE DU MAL (6 min.)

Anschließend Diskussion

 

Am 06.05.05 und am 08.05.05 jeweils um 21 Uhr in
der Alten Schauspielschule / special

Globale – Fremde
globaLE05-Filme auf dem Kunstprojekt „Globale – Fremde“ (näheres
auf dem Projekt-Flyer)

 


Am 11.05.05 um 19 Uhr in der naTo / Eintritt frei
Film und Diskussion
Revolution OS

Regie: J.T.S. Moore, USA 2001, 85 min., OF
Microsoft fürchtet GNU/Linux – und das zu Recht. Die Open-Source-Bewegung
ist derzeit die größte Bedrohung für Microsoft und die durch
Markennamen und Patente geschützte Software-Industrie.
Der Film erzählt die Geschichte der Menschen, welche gegen das Software-Modell
der Markenrechte rebellierten und GNU, Linux und die Open-Source-Bewegung
initiierten. Und er erzählt auch (unbeabsichtigt), wie der Erfolg die
Bewegung inzwischen gespalten hat – in jene, die Open-Source kommerzialisiert
haben und jene, die weiterhin für Freie Software kämpfen. Zu Wort
kommen Linus Torvald, Richard Stallman u.a..

Vorfilm: THE MEATRIX (4 min.)

Anschließend Diskussion mit Thomas Riechert (Universität Leipzig)

 


Am 18.05.05 um 19 Uhr in der Moritzbastei /
Eintritt frei

Film und Diskussion
Money for Nothing – Behind the Business of Pop Music
Regie: Kembrew McLeod, USA 2001, 49 min., OF
Von allen Formen von Massenkultur wird, historisch gesehen, der Popmusik
die größte Freiheit und Unabhängigkeit zugeschrieben. Doch
durch die immer kleiner werdende Anzahl von Plattenfirmen, die zunehmende
Konzentration unter den Betreibern von Radiostationen, die um sich greifende
Gleichförmigkeit der Programme und die wachsende Vereinnahmung von
Popmusik zu Marketing und Werbezwecken schwindet diese Freiheit zunehmend.
Der Film wird erzählt von Thurston Moore von Sonic Youth und lässt
u.a. die Künstler Chuck D., Ani DiFranco, Michael Franti (Spearhead),
Kathleen Hanna (Riot Grrrl) sowie die Kritiker Dave Marsh (ehem. Rolling
Stone), Shirley Halperin (BOP Magazine) und die Wirtschaftswissenschaftler
Reebee Garafolo und Robert W. McChesney zu Wort kommen.
Money for Nothing beschreibt detailliert wie Popmusik produziert und vermarktet
wird und stellt zugleich eine Kritik des derzeitigen Zustand der Popmusik
dar.

Vorfilm: CONSUMPTION (3 min.)

Anschließend Diskussion

 

Am
25.05.05 um 22.00 Uhr in der naTo / Eintritt frei

The Yes Men
Regie: Chris Smith/Dan Ollman/Sarah Price, USA 2003, 80 min., OF
Der Film folgt Andy und Mike, zwei konzernkritischen aktivistischen Possenreisern,
wie sie auf Wirtschaftskonferenzen als WTO-Offizielle auftreten. Nachdem
sie eine Fake-WTO-Webseite veröffentlicht hatten, wurden sie zu Konferenzen
in aller Welt als vermeintliche WTO-Referenten eingeladen – Einladungen,
die sie natürlich pflichtbewußt annahmen. WTO-Bashing war noch
nie so unterhaltsam wie mit den Yes Men.

 


Vom 29.05.05 um 20 Uhr in der naTo / special
A Decent Factory
Regie: Thomas Balmes, Großbritannien/Frankreich/Finnland 2004,
79 min., OF

Der Film folgt Nokia, dem größten Handyhersteller der Welt, bei
ihrem Versuch zu einem nachhaltig wirtschaftendem Unternehmen zu werden.
Ist es möglich, gleichzeitig Profit zu machen und eine ethische Unternehmensphilosophie
zu haben? Das ist die Frage, die für westliche Unternehmen zunehmend
an Bedeutung gewinnt, vor allem für jene, die in ärmeren Ländern
produzieren.
Der Film beginnt mit der Einstellung einer Ethik- und Umweltspezialistin
bei Nokia, welche die Idee der Nachhaltigkeit in der Firma etablieren soll.
Eine Idee, die den Managern offensichtlich bisher fremd war. Wir folgen
der Spezialistin nach China, wo sie einige Nokia-Zulieferer besucht und
inspiziert. Der direkte Stil der Aufnahmen legt das Unbehagen der britischen
Manager, die sich auf einer permanenten Gradwanderung zwischen Recht und
Profit bewegen, schonungslos offen. Die anfängliche Offenheit der Chefs
schwindet als sie erfahren, dass der Film nicht ausschließlich für
die interne Verwendung gedacht ist. Zu diesem Zeitpunkt werden wir aber
schon von den Bilder verfolgt: Mädchen, die Tag ein Tag aus am Fließband
Adapter zusammenbauen – und nicht mal den gesetzlichen Mindestlohn
bekommen.

 

Am 05.06.05 um 20 Uhr in der Moritzbastei /
Eintritt frei

globaLE05 Abschlussparty

 

globaLE05 auf der Internationalen Studentischen Woche


Am 02.06.05 um 17 Uhr in der Moritzbastei /
Eintritt frei

The Peacekeepers and the Women – Die Helfer und die Frauen
Regie: Karin Jurschick, Deutschland 2003, 80 min., OmeU
„Es gibt Dörfer in der Ukraine, in Moldawien und Rumänien,
in denen alle Frauen unter 40 Jahren verschwunden sind“, sagt die Autorin
zu Beginn des Filmes.
„Trafficking“ ist eine Form von Menschenhandel, die in jüngster
Zeit besonders in Südosteuropa dramatisch zunimmt. Die gewaltsame Verschleppung
von Frauen und Mädchen oder ihre Anwerbung unter Vorspiegelung falscher
Tatsachen, um sie als Arbeitssklavinnen zur Prostitution zu zwingen, ist
in Bosnien-Herzegowina und besonders im Kosovo inzwischen zu einer Schattenwirtschaft
geworden. Dies ist eine der Auswirkungen der von der NATO dort mitgeführten
Kriege sowie der Präsenz internationaler Truppen und Hilfsorganisationen.

Die Kamera begibt sich auf die Suche, entlang der Straßen des „Arizona
Marktes“ in Bosnien, wo Frauen ebenso eine Ware sind wie Autoersatzteile
und Baustoffe. Karin Jurschick sieht einen Zusammenhang zwischen dem gewinnträchtigen
Frauen-Geschäft und der Präsenz internationaler Hilfstruppen wie
UNO, KFOR und NATO vor Ort. Ein Vorwurf, der sich kaum beweisen lässt.
Doch Haltung und Aussagen der Interviewten sprechen für sich.
Filmpreise auf der Berlinale 2001, in Nyon, Duisburg und Toronto.


Am 03.06.05 um 17 Uhr in der Moritzbastei /
Eintritt frei

The Coconut Revolution
Regie: Dom Rotheroe, Großbritannien 1999, 50 min., OF
Bougainville war eine fast vergessene Insel irgendwo im pazifischen Ozean.
Bis plötzlich Ende der 80er Jahren eine Öko-Revolution begann,
die sich zum Unabhängigkeitskampf ausgeweitet hat. Die Gegner der Inselbewohner:
der britische Minenkonzern BCL, dessen Kupferabbau seit den 60er Jahren
Landschaft, Pflanzen, Tiere und Menschen verseucht hat. Doch schnell war
es auch ein Kampf gegen Armeeeinheiten aus Papua-Neuguinea und Australien,
die die Interessen des Minenkonzerns durchsetzen sollten. Dennoch war die
Revolte gegen diese fast übermächtigen Gegner erfolgreich – dank
der bemerkenswerten Fähigkeit der Widerständischen, ihr gesamtes
Wissen und Improvisationstalent für den Kampf zu bündeln. Der
Film zeigt die unglaubliche Ökorevolution auf Bougainville, der auch
eine lang andauernde Blockade der Insel nichts anhaben konnte: die Medizin
kommt aus dem Urwald, Wasserkraft plus altem Aggregat sorgen für Strom,
Kokosöl dient als Treibstoff der Autos, aus alten Metallteilen werden
Waffen. Und jeden Tag kommen neue Ideen dazu.
Amnesty International Awards.


Mate, Ton & Produktion. Zanon – Eine Fabrik unter Arbeiterkontrolle
Regie: S. Dzeik/K. Wagenschein, Argentinien/Deutschland 2003, 53 min.,
OmU

Christian gehört zu den über 300 Arbeitern und Arbeiterinnen einer
hochmodernen – und besetzten Keramikfabrik in Patagonien. Seit über
2 1/2 Jahren produzieren sie ihre Fliesen in eigener Verantwortung. Die
Arbeiter von Zanon wurden durch ihre konsequente Basisdemokratie, ihre weitreichenden
politischen Forderungen und ihrenen Widerstandsgeist zum Symbol der neuen
sozialen Bewegungen Argentiniens. Bisherige Versuche des Besitzers sie räumen
zu lassen scheiterten. Landesweit haben Arbeiter über 160 leerstehende
Betriebe und Fabriken übernommen, nachdem sich die alten Besitzer aus
dem Staub gemacht hatten.
Der Film taucht ein in die Welt der komplexen Herstellung von Keramikfliesen
auf eigene Faust. Zwischen Matetee und Produktion berichten die Besetzer
von ihren persönlichen, alltäglichen Kämpfen, gesellschaftlichen
Visionen und Erfahrungen.

 


Am 04.06.05 um 17 Uhr in der Moritzbastei / Eintritt
frei

Omulaule heißt schwarz
Regie: Beatrice Möller/Nicola Hens/Susanne Radelhof, Deutschland
2003, 66 min.

„Wir sind wenigstens in einem Staat groß geworden, den es nicht
mehr gibt“, sinnieren die jungen Namibier. Sie kennen noch den Pioniergruß
und erinnern sich an „Leckermäulchen“. Die mittlerweile erwachsenen
„DDR-Kinder von Namibia“ blicken auf 11 Jahre Kindheit in der
DDR zurück. 1990 mussten sie zurück in eine ihnen fremde Heimat.
Sie nennen sich „Omulaule“. Das ist Oshiwambo und bedeutet schwarz.
Doch von den schwarzen Namibiern werden sie zum Teil noch immer als Deutsche
bezeichnet. Für die Weißen sind sie schwarz. Noch heute suchen
sie nach ihrer inneren Heimat – nach einem Halt in ihrer zerrissenen Biografie,
die sie selbst als angelegtes Experiment betrachten. Wie sie heute leben
und wo sie ihre Heimat sehen, zeigt die an der Bauhaus-Uni Weimar entstandene
Dokumentation.

 


Am 05.06.05 um 17 Uhr in der Moritzbastei /
Eintritt frei

Wo der Himmel die Erde berührt
Regie: Frank Müller, Deutschland 1999, 85 min., OmU
Wo der Himmel die Erde berührt – das ist in Kirgistan, einem zentralasiatischen
Land mit wunderschönen Landschaften. Der Dokumentarfilm verfolgt das
Leben einer Schäferfamilie in einem hochgelegenen Bergdorf. Er zeigt
die Menschen bei der Arbeit, beim Feiern und beim Beten. Mit beeindruckenden
Totalen und aufschlussreichen Details in Nahaufnahmen vermittelt sich das
Bild einer Region, die ihre Traditionen bewahrt und sich aus dieser Kraft
heraus selbstbewusst neuen Herausforderungen stellt. Der Film besticht durch
das liebevolle Arrangement des reichhaltigen Materials an Bildern, Farben
und Tönen. Wohltuend, dass die Autoren auf einen Off-Kommentar verzichten
und statt dessen einen kirgisischen Episodenerzähler im Sprechgesang
das nationale Epos „Manas“ als Klammer zwischen den verschiedenen
Schauplätzen und Zeiten auftreten lassen.