globaLE 2019

Die GlobaLE 2019 fand vom 16. Mai bis zum 8. November 2019 statt.
Außerhalb dieses Zeitraums fanden außerdem noch einige Sonderveranstaltungen in Kooperation mit befreundeten Initiativen statt.

Hier das Plakat von 2019 und der Programmflyer.

Wann: Do 16 Mai 2019 2019 19:00 – 21:30

Sonderveranstaltung: Concerning Violence – Nine Scenes from the Anti-Imperialistic Self-Defence

Schweden / 2014 / 89 min / Göran Olsson / original mit UT. Anschließend Diskussion mit Dr. Sarah Ruth Sippel (Institut für Ethnologie Uni Leipzig).

Auf der Grundlage von Frantz Fanons berühmtem Buch “Die Verdammten dieser Erde“ erzählt der Film von den Aufständen, die zur Entkolonialisierung Afrikas führen sollten. Erneut konzentriert sich Olsson dabei auf Archivmaterial, das schwedische Dokumentarfilmer und Fernsehjournalisten zwischen 1966 und 1984 in Afrika aufgenommen haben. Aufnahmen von der Befreiungsbewegung in Angola, der Frelimo in Mozambique und dem Unabhängigkeitskampf in Guinea-Bissau werden dokumentarische Bilder von schwedischen Missionaren in Tansania und einem Streik in einer schwedischen Mine in Liberia gegenübergestellt.

Die Musikerin Lauryn Hill erweckt die polarisierenden Texte Fanons zum Leben, die das Bildmaterial strukturieren und kommentieren. Ein Blick auf heutige Konflikte, die entlang der alten Kolonialgrenzen schwelen, zeigt, dass Afrika auch über 50 Jahre nach Fanons Tod die Folgen der jahrhundertelangen europäischen Raubzüge und Interventionen noch lange nicht überwunden hat.

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Wo: Universität Leipzig, Hörsaalgebäude, Hörsaal 2, Universitätsstraße 1 (Campus Augustusplatz)

Wann: Mi 24 Juli 2019 2019 20:00 – 22:30

#Female Pleasure

BRD, Schweiz / 2018 / 97 min / Barbara Miller / original mit dt. UT / Aufführung im Rahmen der Ausstellung Women to Go, welche noch bis zum 11.08. im Grassimuseum zu sehen ist. Anschließend Gespräch u.a. mit Hannah Maneck (Feminist. Streikbündnis Leipzig) und Dr. Anna Artwinska (Zentrum für Frauen- und Geschlechterforschung an der Universität Leipzig).

Fünf mutige, kluge und selbstbestimmte Frauen stehen im Zentrum von Barbara Millers Dokumentarfilm „#Female Pleasure“ . Sie brechen das Tabu des Schweigens und der Scham, das ihnen die Gesellschaft oder ihre religiösen Gemeinschaften mit ihren archaisch-patriarchalen Strukturen auferlegen. Mit einer unfassbaren positiven Energie und aller Kraft setzen sich Deborah Feldman, Leyla Hussein, Rokudenashiko, Doris Wagner und Vithika Yadav für sexuelle Aufklärung und Selbstbestimmung aller Frauen ein, hinweg über jedwede gesellschaftliche sowie religiöse Normen und Schranken. Dafür zahlen sie einen hohen Preis – sie werden öffentlich diffamiert, verfolgt und bedroht, von ihrem ehemaligen Umfeld werden sie verstoßen und von Religionsführern und fanatischen Gläubigen sogar mit dem Tod bedroht.

„#Female Pleasure“ ist ein Film, der schildert, wie universell und alle kulturellen und religiösen Grenzen überschreitend die Mechanismen sind, die die Situation der Frau – egal in welcher Gesellschaftsform – bis heute bestimmen. Gleichzeitig zeigen die fünf Protagonistinnen, wie man mit Mut, Kraft und Lebensfreude jede Struktur verändern kann. Der Film ist ein Plädoyer für das Recht auf Selbstbestimmung und gegen die Dämonisierung der weiblichen Lust durch Religion und gesellschaftliche Restriktionen.

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Wo: Grassimuseum, Wiese im Innenhof (Johannisplatz 5-11)

Wann: Do 25 Juli 2019 2019 20:00 – 22:30

Make the economy scream

Griechenland / 2019 / 80 min / Aris Chatzistefanou / original mit dt. UT / Anschließend Diskussion mit dem Aktivisten und Buchautoren Harri Grünberg.

Manche Leute sehen, dass die Supermarktregale völlig leer sind. Andere sehen sie völlig voll. Einige geben dem Sozialismus die Schuld. Andere dem Fehlen davon. Für einige gibt es politische Gefangene in Venezuela. Für andere gibt es sie auch in Katalonien. Venezuela ist Opfer eines autoritären Regimes. Aber ist dieses Regime in Caracas oder in Washington angesiedelt? Der Film will helfen das herauszufinden. Mit Hilfe von bekannten Personen aus Wirtschaft, Politik und Medien beschreibt der Film die aktuelle Situation, geht Hintergründen, Ursachen und Interessen auf den Grund und hinterfragt interessengeleitete Medienberichterstattung.

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Wo: Caracan im Auenwald, (Neue Linie 20)

Wann: Fr 26 Juli 2019 2019 20:00 – 23:00

Die Strategie der Schnecke

Kolumbien / Spielfilm / 1993 / 107 min / Sergio Cabrera / spanisch mit dt. UT / Vorab: Liveband “Hans hadert” und nach dem Film: 15 Jahre globaLE – Party mit Tanzflächenaufleger (Electronical/Latino/Afro) und kühlen Drinks an der Bar.

Ein altes Mietshaus in einem Vorort der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá. Der Besitzer, ein aufgeblasener Emporkömmling, will das Haus «entmieten», die Bewohner auf die Straße setzen. Doch hier leben schon seit Jahren Menschen zusammen, die sich trotz der drangvollen Enge in diesem Haus heimisch fühlen: Don Jacinto, der alte Anarchist; Romero, der Anwalt, der keine Zulassung hat, doch die Gesetzestricks kennt; ein junger Revolutionär, der sich gern auf die Massen stürzt; ein Pater, der im Diesseits Befriedigung sucht; Gabriel, der sich als Gabriela verkauft; eine Alte, die mit einem Scheintoten lebt und der ein Wunder geschieht. Sie alle haben keine Chance, aber sie nutzen sie. Denn der Anarchist Jacinto entwickelt einen schlitzohrig-genialen Plan, wie man die noch verbleibende Zeit bis zum angedrohten Rauswurf nutzen kann: Die Strategie der Schnecke.

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Wo: Caracan im Auenwald, (Neue Linie 20)

Wann: Sa 27 Juli 2019 2019 20:00 – 23:00

Economica Collectiva – Europas letzte Revolution

Spanien / 2014 / 66 min / Eulàlia Comas / original mit dt. UT / Anschließend Diskussion mit Vertreter/innen verschiedener selbstorganisierter Projekte und Initiativen. Danach Livemusik Dubidu (Ska/Punk aus Lateinamerika) und später Mukke zum tanzen vom Tanzflächenaufleger. Soli-Cocktailbar zur Unterstützung Leipziger Projekte.

Der Dokumentarfilm gibt einen tiefen Einblick in ein weitgehend vergessenes, aber nach wie vor inspirierendes Ereignis der jüngeren Geschichte: Die selbstbestimmte Kollektivierung von 80 Prozent der katalanischen Wirtschaft zwischen 1936 und 1939.

Auf den faschistischen Putsch General Francos im Juli 1936 antworteten die Arbeiterinnen und Arbeiter Kataloniens mit einer sozialen Revolution. Die Besitzlosen und Ausgebeuteten, zum Großteil Anarchosyndikalisten, organisierten die Wirtschaft neu, selbstorganisiert und erschufen ein bis dato nie gesehenes soziales Sicherungssystem. Eine der radikalsten sozial-ökonomischen Umbrüche im 20. Jahrhundert, – Europas letzte Revolution.

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Wo: G16 (Innenhof, Gießerstraße 16)

Wann: Mi 31 Juli 2019 2019 20:00 – 22:30

Kuba – eine afrikanische Odyssee

Frankreich / 2006 / 120 min / El-Tahri, Jihan / dt. synch. und original mit dt. UT / Im Anschluss Diskussion mit dem Journalisten und Buchautoren Volker Hermsdorf. Veranstaltung in Kooperation mit Cuba Sí.

System

Während es den USA und der Sowjetunion im Kalten Krieg auch in Afrika vor allem um politische Kontrolle und den Zugriff auf strategisch wichtige Rohstoffe ging, stellte Fidel Castro den antikolonialen Bewegungen Afrikas kubanische Soldaten, Ärzte, Techniker und Ausbilder zur Seite, ohne dafür Gegenleistungen zu verlangen: „Uns ging es nicht um Diamanten, sondern um internationale Solidarität.“
Die Dokumentation vermittelt mit bislang kaum bekannten Archivaufnahmen einen faszinierenden Einblick in die Geschichte des afrikanischen Unabhängigkeitskampfes (von 1961 bis 1989). Der Filmemacherin ist es darüber hinaus gelungen, Zeitzeugen aus aller Welt vor die Kamera zu holen, die den Kalten Krieg in Afrika kommandiert und ausgefochten haben. Dazu gehören Agenten der US-amerikanischen und sowjetischen Geheimdienste ebenso wie südafrikanische Militärs und Vertreter afrikanischer Befreiungsbewegungen. Und neben kubanischen Veteranen, die als Ärzte und Brigadisten ihr Leben riskierten, begründet auch Fidel Castro noch einmal persönlich, warum sich seine revolutionäre Regierung in Afrika stärker engagiert hat, als irgendwo anders in der Welt.

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Wo: Clara-Zetkin-Park (Wiese zwischen Glashaus und Sachsenbrücke)

Wann: Do 01 August 2019 2019 20:00 – 22:30

Another Day of Life

Polen, Spanien, Belgien, BRD, Ungarn / 2018 / 86 min / Raúl de la Fuente, Damian Nenow / deutsch und original mit dt. UT / Im Anschluss Diskussion mit dem Journalisten und Buchautoren Wolfgang Mix.

Der Film schildert das Drama des Angolanischen Bürgerkriegs in 1975 aus Sicht des legendären Kriegsreporters Ryszard Kapuscinski. In einer Mischung aus Animationssequenzen und aktuellen dokumentarischen Interviews mit Kapuscinskis Weggefährten von damals vermittelt der Film die Schrecken und Absurditäten des Krieges.
Zugleich erlebt der Zuschauer den Übergang des Protagonisten vom objektiven Berichterstatter zum Schriftsteller, der versucht mit den Mitteln der Literatur der Wahrheit des Krieges näher zu kommen. Der Film basiert lose auf Motiven des Romans “Another Day of Life” (Wieder ein Tag Leben), in dem Kapuscinski mit seismografischer Sensibilität und detailgenauem Blick seine Erfahrungen während des Bürgerkriegs verarbeitet hat.

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Wo: Clara-Zetkin-Park (auf der Wiese zwischen Glashaus und Sachsenbrücke)

Wann: Fr 02 August 2019 2019 20:00 – 23:00

Das Land der Erleuchteten

Afghanistan, BRD, Niederlande, Irland / 2015 / Pieter-Jan De Pue / original mit dt. UT / Im Anschluss Diskussion mit Bahadur Rajabi.

„Immer, wenn ein Afghane einen Bruder tötet, wird ein neuer Stern geboren. Bald wird die Nacht so hell sein wie der Tag… Eines Tages werden wir zusammen in die Nacht reisen und dem Tag sein Licht zurückbringen.“

Der raue, abgelegene Nordosten Afghanistans ist eine Hochgebirgslandschaft mit Gipfeln bis zu 7.500 Metern. Es ist das Grenzgebiet zu Tadschikistan, Pakistan und China. In dieser Region verdienen sich nomadisch lebende Kinderbanden etwas Geld mit den Überbleibseln der vielen Kriege, unter denen ihr Land seit langer Zeit zu leiden hatte. Sie sammeln alle Arten von Metallresten, um sie zu verkaufen. Sie graben Landminen aus, um deren explosiven Inhalt an Kinder weiterzugeben, die in den Lapis Lazuli Minen arbeiten. Andere Kinderbanden leben ihr eigenes, nomadisches Leben und verdienen ihren Lebensunterhalt damit, Karawanen und Schmuggler auf ihrem Weg zur Grenze zu überfallen – oder sie lassen sich dafür bezahlen, ihnen Begleitschutz zu gewähren. Die Währung ist Opium.
Immer wieder hängen die Kinder ihren Träumen nach, in denen die amerikanischen Besatzer ein für allemal das Land verlassen. Der Film entstand über einen Zeitraum von 7 Jahren. Nahtlos verschmilzt in dem Film die dokumentarische Beobachtung mit der fiktionalen Erzählung – die harsche Realität, die den Alltag der Kinder prägt, mit ihren Wünschen, Träumen und Hoffnungen. Der Regisseur erschafft eine hybride Erzählform, in der er immer wieder die Grenzen des dokumentarischen Genres auslotet und erschafft einen bildgewaltigen Film von magischer Intensität.

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Wo: Wagenplatz Toter Arm, Lauerscher Weg 70a, Nahe Cospudener See

Wann: Mi 07 August 2019 2019 20:00 – 22:30

Earthlings

USA / 2005 / 95 min / Shaun Monson / deutsche Fassung /

Der Film thematisiert die Abhängigkeit der Menschheit von Tieren und deren Ausbeutung. Er wirft einen kritischen Blick auf den menschliche Konsum von Fleisch und die Nutzhaltung von Tieren. Die Tiere dienen unter anderem als Rohstofflieferanten für Kleidung, der Unterhaltung und als Testobjekt im Rahmen von Tierversuchen.

Mit einer Betrachtung bezüglich Tierzucht, Tierheimen sowie Massentierhaltung, des Leder- und Pelzhandels, der Sport- und Unterhaltungsindustrie sowie der medizinischen und wissenschaftlichen Nutzung zeigt der Film unter Verwendung von versteckten Kameras und heimlich gemachten Bildaufnahmen das tägliche Elend der Tiere.

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Wo: Richard-Wagner-Hain am Elsterbecken

Wann: Do 08 August 2019 2019 20:00 – 22:30

Berlin – Prenzlauer Berg

DDR / 1990 / Petra Tschörtner / 75 min / dt. / Im Anschluss Diskussion mit Dr. Matthias Bernt (Leibnitz Institute for Research on Society and Space).

Bilder aus dem Berliner Stadtbezirk Prenzlauer Berg in der Zeit vor der Währungsunion. “We need revolution” singt “Herbst in Peking” aus dem Prenzlauer Berg in den Trümmern der Mauer am Rande ihres Stadtbezirks. Dabei ist im Mai ’90 schon fast alles gelaufen, die Annexion sicher und das Ende der Demokratischen Republik besiegelt. Im „Prater“ schwooft Knatter-Karl mit seiner Freundin. Frieda und Gerda im “Hackepeter” sind erschüttert; denn gleich nach dem Fall der Mauer wurde im Tierpark ein Papagei gestohlen. Die Polizei jagt bewaffnete Männer, während Näherinnen erklären, warum die Vietnamesen zuerst entlassen werden. Ein einsamer Gast aus dem “Wiener Cafe” singt zum Abschied das Lied von der Heimat, während die rumänische Combo zum Balkan-Express zurückeilt. Die Hausbesetzer träumen von Anarchie und Frau Ziervogel, Inhaberin von Berlins berühmtester Würstchenbude “Konnopke”, segnet das erste Westgeld. Der Tag der Währungsunion ist da. Filipp Moritz besetzt den Prenzlauer Berg. Der Staatsvertrag zwischen den beiden deutschen Staaten und der Beginn der Währungsunion am 1.7.1990 durchzieht den Dokumentarfilm und zeigt die hohen Erwartungen, die manche daran hegen, aber auch die befürchteten negativen Auswirkungen auf die Menschen und die Gesellschaft.

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Wo: Richard-Wagner-Hain am Elsterbecken

Wann: Fr 09 August 2019 2019 20:00 – 22:30

Luft zum atmen – 40 Jahre Opposition bei Opel in Bochum

BRD / 2019 / 70 min / Johanna Schellhagen / dt. / Im Anschluss Diskussion u.a. mit Johanna Schellhagen (Labournet TV).

1972 gründeten ein paar Arbeiter und Revolutionäre bei Opel in Bochum die “Gruppe oppositioneller Gewerkschafter”(GoG). Die GoG existierte über 40 Jahre und hat mit ihrer radikalen Betriebsarbeit den Widerstandsgeist in der Bochumer Belegschaft befeuert. Als Betriebsräte gaben sie geheime Informationen an die Belegschaft weiter, sie sorgten für achtstündige Betriebsversammlungen, kämpften gegen Krankenverfolgung, organisierten ihren eigenen Bildungsurlaub und versuchten sogar, auf eigenen Faust direkte internationale Solidarität zwischen den verschiedenen General Motors Belegschaften in Europa herzustellen, um sich gegen die Standorterpressungen in den 90er Jahren zur Wehr zu setzen. Ihre radikalen Aktivitäten kulminierten schließlich in einem der wichtigsten Wilden Streiks deutschen Nachkriegsgeschichte, als die Belegschaft im Oktober 2004 sechs Tage lang das Werk besetzte und die Produktion in ganz Europa lahmlegte. Ein Portrait von Kollegen, die sich Gehör verschafften.

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Wo: Wagenplatz Toter Arm, Lauerscher Weg 70a, Nahe Cospudener See

Wann: Mi 14 August 2019 2019 20:00 – 23:00

Der marktgerechte Patient

BRD / 2018 / 72 min / Leslie Franke und Herdolor Lorenz / dt. / Anschließend Diskussion mit Monika Münch-Steinbuch (pensionierte Ärztin und u.a. aktiv im bundesweiten Bündnis „Krankenhaus statt Fabrik“). Die Veranstaltung findet im Rahmen des Schönauer Parkfests in Kooperation mit dem Kommhaus e.V. statt und ist Teil des Grünauer Kultursommers.

Es gibt zwar zahllose Berichte über skandalöse Zustände in den deutsche Krankenhäusern, erstaunlicherweise fehlt dabei aber fast immer der Bezug auf die wesentliche Ursache dieser Zustände: Die seit 2003 verbindliche Vergütung der Krankenhäuser durch sog. Fallpauschalen (jede diagnostizierbare Krankheit hat einen fixen Preis – wer mit möglichst geringen Personal-, Sach- und Organisationskosten den Patienten optimal schnell abfertigt, macht Gewinn – wer sich auf die Patienten einlässt und Tarife zahlt, macht Verlust). Die Einführung der sog. DRGs (Diagnosis Related Groups) war der radikale Schritt zur kompromisslosen Kommerzialisierung eines Bereichs, der bis dahin vom Gedanken der Empathie und Fürsorge getragen wurde. Seither wird der Mensch dort, wo er am Verletzlichsten ist, nämlich als hilfsbedürftiger Patient, den gnadenlosen Prinzipien von Gewinn und Verlust untergeordnet. “Wir sind nicht an der Zurschaustellung von Skandalen interessiert. Uns kommt es bei der Aufdeckung von Folgen vor allem auf die Ursachen der unhaltbaren Zustände in den deutschen Krankenhäusern an. Nur so sind sie zu verändern!” sagen die beiden Filmemacher Leslie Franke und Herdolor Lorenz.
Die Flucht aus den Krankenhäusern ist für Pflegerinnen und Pfleger bereits real, weil sie trotz unsäglichem Stress nicht mehr zur wirklichen Pflege der Patienten kommen. Aber auch die meisten Ärzte sind es leid, gezwungen zu sein, in erster Linie auf die Profitabilität ihrer Abteilung zu achten.

Bündnis “Krankenhaus statt Fabrik”: https://www.krankenhaus-statt-fabrik.de/.
Mehr zum Projekt: http://der-marktgerechte-patient.org/index.php/de/.

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Wo: Schönauer Park, Grünau, Haltestelle Parkallee (im Rahmen des Grünauer Parkfests)

Wann: Mi 21 August 2019 2019 20:00 – 22:30

Farewell Halong

Vietnam / 2017 / 98 min / Duc Ngo Ngoc / original mit dt. UT / Anschließend Diskussion mit dem Filmemacher Duc Ngo Ngoc.

In der Bucht von Ha Long im Norden Vietnams lebt der 46-jährige Nguyen Van Cuong mit seiner Familie in seiner selbstgebauten Hütte auf einem Floß. Für ihn ist das Leben auf dem Wasser normal – hier schläft, kocht und arbeitet die Familie schon seit Generationen. Doch der Schein der Idylle trügt.

Goung muss seine außergewöhnliche Umgebung verlassen, da die Regierung die Bewohner des schwimmenden Dorfes auf das Land umsiedeln will. Goung ist unschlüssig und schiebt die Entscheidung vor sich her. Als Kapitän steuert er auf eine äußerst ungewisse Zukunft zu – ob er sie auf dem Land oder auf dem Wasser verbringen wird, bleibt ungewiss.

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Wo: Eutritzscher Markt

Wann: Do 22 August 2019 2019 20:00 – 23:00

Die Gentrifizierung bin ich – Beichte eines Finsterlings

Schweiz / 2018 / 98 min / Thomas Haemmerli / original mit dt. UT / Im Anschluss Diskussion u.a. mit Aktivist/innen vom Bündnis “Leipzig – Stadt für Alle”. Gemeinsame Veranstaltung mit dem Roten Stern Leipzig. Vorab nachmittags 16:30 Uhr, Beach-Volleyball-Turnier auf dem Gelände. Das ganze ist als Amateur Turnier gedacht, ohne zu krassen Wettbewerbsstress. Die Teams bestehen aus drei Leuten und es werden Volleyballregeln und keine Beachvolleyballregeln gelten. Zusätzlich wird es noch ein paar nette Gimmicks geben. Vielleicht wollt ihr ja ein Team aufstellen? Dann meldet euch fix bei Pitti: pittileipzig (at) posteo (punkt) de.

Thomas Haemmerli hielt sich für einen linken Freigeist. Bis er feststellen musste: Sein Verhalten sorgt für die Umwandlung ganzer Stadtviertel. In dem ihm eigenen persönlichen, bisweilen sarkastischen und ausgesprochen witzigen Stil verarbeitete er diese Erkenntnis zu einer klugen und unterhaltsamen Betrachtung zu den Themen: Wie sollen und wollen wir wohnen? Wie sollen unsere Landschaften und Städte in Zukunft aussehen? Stimmt es, dass die Reichen immer die weniger Zahlungskräftigen verdrängen und dadurch „Ghettos“ entstehen? Und was hat das alles mit São Paulo zu tun?
„Die Gentrifizierung bin ich“ ist ein kluger, lustiger und umfassender Dokumentar-Essay, der Raumgebrauch, Wohnen, Stadtentwicklung, Dichte, Fremdenfeindlichkeit und Gentrifizierung thematisiert. Dabei verschreibt sich das Projekt einem autobiografischen Zugriff: Der große Bogen sind diverse Wohnsituationen des Autors, begonnen mit der Kindheit im Reichenghetto, über besetzte Häuser, WGs und Yuppie-Wohnungen, bis hin zu Behausungen in Großstädten wie Tiflis, São Paulo und Mexiko-Stadt.

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Wo: Roter Stern Leipzig ‘99 e.V., (Teichstraße 12)

Wann: Fr 23 August 2019 2019 20:00 – 22:30

Die Strategie der krummen Gurken

BRD / 2013 / 64 min / Sylvain Darou und Luciano Ibarra / dt. / Anschließend Diskussion mit Aktiven von der SoLaWi Allerlei. Passend zum Film, kannst du dir bereits ab 18 Uhr den Acker anschauen und dich mit den Gärtnern und Mitgliedern des Vereins über die Organisation und die Methoden einer SoLaWi austauschen. Für Getränke und Abendessen aus der Ackerküche ist gesorgt. Bitte bring dir Decken oder andere Sitzgelegenheiten und einen Becher für die Getränke mit.

Die GartenCoop Freiburg setzt ein erfolgreiches Modell solidarischer Landwirtschaft um. Rund 260 Mitglieder teilen sich die Verantwortung für einen landwirtschaftlichen Betrieb in Stadtnähe und tragen gemeinsam die Kosten und Risiken der Landwirtschaft. Die gesamte Ernte – ob gut oder schlecht, krumm oder gerade – wird auf alle Mitglieder verteilt. Ein konsequenter ökologischer Anbau, Saisonalität, 100% samenfeste Sorten, kurze Wege, solidarische Ökonomie, kollektives Eigentum, Bildung, sowie mit anpacken in der Landwirtschaft sind nur einige der vielen Merkmale des Projekts.
Der Dokumentarfilm gibt Einblick in die Motivationen und das Innenleben der Kooperative. Er zeigt Menschen, die in Zeiten ökonomischer und ökologischer Krise der Macht der Agrarindustrie etwas entgegensetzen: Die Strategie der krummen Gurken.

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Wo: SoLaWi Allerlei Leipzig (Floraweg, Dölitz-Dösen)

Wann: Mi 28 August 2019 2019 18:00 – 20:00

Die Erfindung der bedrohten Republik

Buchvorstellung im Rahmen der MittwochsATTACken / kein Film / Vortrag und Diskussion mit David Goeßmann.

Das Buch „Die Erfindung der bedrohten Republik. Wie Flüchtlinge und Demokratie entsorgt werden“ des Journalisten David Goeßmann, mit einem Vorwort von Konstantin Wecker, steht auf der Bestseller-Liste (zu Flucht, Migration, Rechtsextremismus) der Zeitschrift MIGAZIN. Deutschland und Europa sind in den letzten Jahren politisch nach rechts gerückt. Schuld daran sind nicht Geflüchtete und besorgte Bürger, sondern Politik und Medien, die Schutzsuchende zur Mega-Bedrohung gemacht haben. Das Buch zeigt, wie mit manipulativen Methoden Krisenstimmung erzeugt und Flüchtlingsabwehr im Schnellverfahren als alternativlos durchgewinkt wurde. Ein gefährliches Spiel, das Demokratie aushöhlt und die Gesellschaft für autoritäre Lösungen empfänglich macht.

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Wo: Schaubühne Lindenfels, Grüner Salon (Karl-Heine-Straße 50)

Wann: Do 29 August 2019 2019 20:00 – 22:30

Erinnerungen an eine Landschaft – für Manuela

DDR / 1983 / 80 min / Kurt Tetzlaff / dt. / Anschließend Diskussion mit Thomas Thiel und Wolfram Herwig. Die Veranstaltung findet in Kooperation mit dem Kommhaus e.V. statt und ist Teil des Grünauer Kultursommers.

Im Süden Leipzigs veränderte sich eine ganze Landschaft. Flüsse und Bahnlinien wurden verlegt, ganze Dörfer verschwanden – wichen neuen Kohletagebauten.
Die DDR erzielte 1989 die bis heute weltweit unerreichte jährliche Förderquote von 300 Mio. Tonnen Kohle! Das hatte enorme Auswirkungen auch auf die Kulturlandschaft im Süden von Leipzig. Waren bis Mitte der 1970er Jahre „nur“ kleinere Ortschaften dem Bergbau zum Opfer gefallen, schlug 1977-1981 für Magdeborn (Tagebau Espenhain) und für Eythra/Bösdorf 1984-1986 (Tagebau Zwenkau) mit ihren jeweils rund 3.000 Einwohnern, das letzte Stündlein. Im Zuge dieser Entwicklung entstand ein, gemessen an den damaligen Umständen, bemerkenswerter Dokumentarfilm. Der Regisseur Kurt Tetzlaff begleitete über die Jahre hinweg den Untergang der beiden Orte. Er zeigt den schmerzlichen Abschied der Menschen, von den ihnen vertrauten Orten, die aufhören werden zu existieren. Der Film ist ein Dokument gesellschaftlicher Veränderung, das dem letztgeborenen Kind in Magdeborn, Manuela, als Erinnerung an die Landschaft ihrer Vorfahren gewidmet ist.

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Wo: Kulkwitzer See, Seebühne (nahe Tauchschule Delphin)

Wann: Sa 31 August 2019 2019 15:00 – 19:00

Abrüsten statt Aufrüsten! – Friedensfest – Verleihung des Leipziger Friedenspreises

Aus der Geschichte lernen heißt Widerstand gegen die heutigen Kriege zu organisieren. Friedenskundgebung und kulturelles Rahmenprogramm. Am Abend zeigen wir im Rahmen der globaLE im Leipziger Osten den Film “Der Rat der Götter”.

Am 1. September sind nicht nur Landtagswahlen in Sachsen, sondern es jährt sich der Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen zum 80sten Mal.
Heute stehen deutsche Truppen wieder an der Grenze zu Russland, sind in Afghanistan, vor der Küste Somalias, im Libanon, in Kosovo, in Mali und in zahlreichen weitere Einsatzgebieten.
Die Militärausgaben sind in den vergangenen Jahren stark angestiegen und die Bundesregierung hat angekündigt im Sinne des NATO-Zieles in den kommenden Jahren weiter aufzurüsten. Ein Beispiel dafür ist die Anschaffung bewaffneter Kampfdrohnen für die Bundeswehr. Außerdem ist seit Jahren traurige Realität, dass die Bundeswehr in verstärktem Maße an Schulen oder auf Stadtfesten auf Werbetour geht um Nachwuchs zu rekrutieren. Wir meinen dass dieser Politik entschlossener zivilgesellschaftlicher Widerstand entgegenzusetzen ist. Darum: Beteiligt euch an der Kundgebung!

Bündnis “Leipzig gegen Krieg”: http://www.leipzig-gegen-krieg.de.
Aufruf “Abrüsten statt Aufrüsten”: https://abruesten.jetzt/.

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Wo: Augustusplatz Leipzig

Wann: Sa 31 August 2019 2019 21:00 – 23:00

Der Rat der Götter

DDR / Spielfilm / 1950 / 111 min / Kurt Maetzig / dt. / Im Anschluss Diskussion. Vorab um 15 Uhr auf dem Augustusplatz, Friedensfest und Verleihung des diesjährigen Leipziger Friedenspreises anlässlich des Weltfriedenstages am Folgetag. (Die globaLE war Preisträger des Leipziger Friedenspreises 2018.) Aktuelle Infos vorab unter: Leipzig gegen Krieg. Gemeinsame Veranstaltung mit der IG Fortuna am Vorabend des Weltfriedenstages. Abendveranstaltung im Rahmen des Bülowstraßenmusikfestivals. Im Anschluss Diskussion mit Dr. Klaus Hesse.

Der Film thematisiert die Verstrickung der IG Farben in Rüstungsproduktion und Giftgasherstellung für die Konzentrationslager. Dem Vorstandsvorsitzenden Geheimrat Mauch geht es um Expansion und Gewinn für die Firma um jeden Preis. Der Chemiker Dr. Scholz ist ein Mitläufer, der sich aus Angst um Stellung und Familie der Wahrheit verschließt. Als 1948 eine verheerende Explosionskatastrophe in Ludwigshafen beweist, dass der Konzern trotz Verbotes der Alliierten wieder Sprengstoff produziert, bricht Scholz sein Schweigen.

Bündnis “Leipzig gegen Krieg”: http://www.leipzig-gegen-krieg.de.
Aufruf “Abrüsten statt Aufrüsten”: https://abruesten.jetzt/.

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Wo: ehemaliges Kino der Jugend (Eisenbahnstraße 162)

Wann: Mi 04 September 2019 2019 20:00 – 23:00

Push – Für das Grundrecht auf Wohnen

Schweden / 2019 / 92 min / Fredrik Gertten / original mit dt. UT / Anschließend Diskussion u.a. mit Rouzbeh Taheri (Mietenvolksentscheid Berlin), Andreas Dohrn (Pfarrer Peterskirche), Mike Nagler (Antiprivatisierungsinitiative Leipzig).

Überall auf der Welt schnellen die Mietpreise in den Städten in die Höhe. Die Einkommen tun das nicht. Langzeitmieter werden aus ihren Wohnungen herausgedrängt. Selbst Krankenpflegende, Polizisten und Feuerwehrleute können es sich nicht mehr leisten in den Städten zu leben, für deren Grundversorgung sie notwendig sind. Der Film wirft ein Licht auf eine neue Art des anonymen Hausbesitzers, auf unsere immer weniger bewohnbaren Städte und eine eskalierende Krise, die uns alle betrifft. Das ist keine Gentrifizierung mehr: Wohnungen sind Kapital und Orte, um Geld anzulegen.
Der Film folgt Leilani Farha, der UN-Sonderberichterstatterin für das Menschenrecht auf Wohnen, wie sie die Welt bereist, um herauszufinden, wer aus der Stadt gepusht wird und warum. „Ich glaube es gibt einen riesen Unterschied zwischen Wohnen als Handelsware und Gold als Handelsware. Gold ist kein Menschenrecht, Wohnen schon“, sagt Leilani.

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Wo: Peterskirche (Schletterstraße 5)

Wann: Do 05 September 2019 2019 20:00 – 22:30

Liebe und Revolution

Griechenland / 2018 / 86 min / Yannis Youlountas / original mit dt. UT / Anschließend Diskussion mit Dr. Nadja Rakowitz (Verein demokratischer Ärztinnen und Ärzte) und aktiv in der Griechenlandsolidarität. Die Veranstaltung findet im Rahmen des Grünauer Kultursommers statt.

Fast zehn Jahre EU-Austeritätspolitik gegen Griechenland. Liberalisierung, Privatisierung, Sozialkürzungen, – Schleifung eines ganzen Landes, seiner Ökonomie und seiner Bevölkerung. Die Auswirkungen der brutalen, vor allem durch die deutsche Bundesregierung in der EU vorangetriebenen Politik sind fatal und heute vielfältig sichtbar.
Der große Teil der europäischen Medien behauptet, dass die Politik der Sparmaßnahmen in Griechenland ein Erfolg war und Ruhe eingekehrt sei. Der Film beweist das Gegenteil. Eine musikalische Reise vom Norden in den Süden Griechenlands mit Menschen, die von Liebe und Revolution träumen.

Weiterführende aktuelle Informationen finden sich u.a. auf dem Blog Griechenlandsolidarität:
* Blog Griechenlandsoli

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Wo: Skatehalle Heizhaus Grünau, (Alte Salzstraße 68). Bei schönem Wetter draußen vor der Halle im Skatepark.

Wann: Fr 06 September 2019 2019 18:30 – 21:00

Goldrausch – Die Geschichte der Treuhand

BRD / 2012 / 94 min / Dirk Laabs / dt. / Anschließend Diskussion mit Gästen. Die Veranstaltung findet im Rahmen des Grünauer Kultursommers statt. Achtung: Die Veranstaltung beginnt bereits 18:30 Uhr und nicht wie sonst üblich 20 Uhr.

Ende der 80er Jahre war das Bruttoinlandsprodukt der DDR höher als in zahlreichen europäischen Marktwirtschaften, die Pro-Kopf-Verschuldung der Menschen in der DDR lag deutlich unter der in der Alt-BRD. Dennoch wird auch 30 Jahre nach „der Wende“ noch immer das Märchen vom wirtschaftlichen Bankrott der DDR bedient, – gerade auch in diesem Jahr sind viele Medien voll von Desinformation. Der Film erzählt die Geschichte der Treuhandanstalt, die nach der Annexion der DDR für die Privatisierung ostdeutschen Volkseigentums zuständig war. Ein dunkles Kapitel und der größte wirtschaftspolitische Skandal im Nachkriegsdeutschland: der Ausverkauf der DDR. In ihrer Schaffenszeit wurden in vier Jahren ungefähr 4000 DDR-Betriebe geschlossen, woraufhin zweieinhalb Millionen Arbeitsplätze verloren gingen. Wie verwandelte die Treuhand ein produktives Volksvermögen von mehr als 600 Milliarden Mark innerhalb weniger Jahre in einen Schuldenberg von 264 Milliarden Mark? Ein Großteil des Geldes konnte durch Tricks und Kniffe in fremde Taschen fließen. Bis heute wurde der Skandal nie vollständig aufgeklärt. In Interviews kommen ehemalige Vorstandsvorsitzende sowie Bürgerrechtler zu Wort.

Es gibt eine Reihe Literatur zum Thema, – wir möchten an dieser Stelle ein Buch von 2001 empfehlen, dass aus erster Hand berichtet, sachlich den Ablauf der Übernahme und den Ausverkauf der DDR analysiert und eine andere Sicht dokumentiert, als die, die im dreisigsten Jahr des “Jubiläums” in den Medien dominiert: “Was war die DDR wert? – Und wo ist dieser Wert geblieben? – Versuch einer Abschlussbilanz” (Siegfried Wenzel, 2001).

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Wo: Völkerfreundschaft Grünau (Stuttgarter Allee 9)

Wann: Mi 11 September 2019 2019 20:00 – 22:30

Unser Saatgut – Wir ernten, was wir säen

USA / 2016 / 94 min / Jon Betz, Taggart Siegel / original mit dt. UT / Anschließend Diskussion u.a. mit Dr. Sarah Ruth Sippel (Ethnologisches Institut Uni Leipzig).

Wenige Dinge auf unserer Erde sind so kostbar und lebensnotwendig wie Saatgut. Verehrt und geschätzt seit Beginn der Menschheit, sind die Samen unserer Kulturpflanzen die Quelle fast allen Lebens. Sie ernähren und heilen uns und liefern Rohstoffe für unseren Alltag. Doch diese wertvollste aller Ressourcen ist bedroht: Mehr als 90 Prozent aller Saatgutsorten sind bereits verschwunden. Biotech-Konzerne wie Syngenta und Bayer/Monsanto kontrollieren mit gentechnisch veränderten Pflanzen längst den globalen Saatgutmarkt. Daher kämpfen immer mehr Menschen aus Landwirtschaft, Wissenschaft und Justiz gemeinsam mit indigenen Saatgutbesitzenden wie David gegen Goliath um die Zukunft der Sortenvielfalt. Der Film ist ein Appell an uns alle: Schützt die ursprüngliche Saatgutvielfalt, sonst ist das reiche Angebot unserer Nahrung bald nur noch schöne Erinnerung!
Weiterführende Informationen zum Thema, wobei man auch beim Saatgut nicht an der zentralen Frage des Eigentums vorbei kommt:
* Rettet das Saatgut – Lehrheft für Schüler/innen, Hrsg: Welthungerhilfe (pdf)
* Fusion von Bayer und Monsanto – Streitschrift gegen die Ohnmacht der Wettbewerbskontrolle (pdf), von Aktion Agrar.
* Widerstand ist fruchtbar – Analysen und Perspektiven für eine nicht-kapitalistische Landwirtschaft (pdf), Reader des Aktionsbündnisses Globale Landwirtschaft zum G8 Gipfel 2007 (aber nicht inaktuell).
* Attac Faltblatt ‘WTO macht Hunger’ – auch schon älter aber in Kurzform Überblick über die Problematik.
* Lenin Werke 18 (ab Seite 60) – über 100 Jahre alt, – aber durchaus auch heute noch lesenswert. (Achtung: pdf ist 24MB groß, da ganze Ausgabe)

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Wo: Schaubühne Lindenfels, Grüner Salon (Karl-Heine-Straße 50)

Wann: Do 12 September 2019 2019 20:00 – 22:30

SPK Komplex

BRD / 2018 / 111 min / Gerd Kroske / dt. / Im Anschluss Diskussion mit Gerd Kroske.

1970 begründete der Arzt Wolfgang Huber in Heidelberg gemeinsam mit Patienten das antipsychiatrische »Sozialistische Patientenkollektiv« (SPK). Umstrittene Therapiemethoden, politische Forderungen und der massive Zulauf von Patienten, die der üblichen »Verwahr–Psychiatrie« tief misstrauten, führten zum Konflikt mit der Universität Heidelberg und der Landesregierung, der sich bald zuspitzte und in die Radikalisierung des SPK mündete. Das gruppentherapeutische Experiment endet schließlich mit Verhaftungen, Gefängnis und der Aberkennung von Hubers Approbation.

Die SPK–Gerichtsprozesse wirken heute wie eine Vorwegnahme der Stammheim-Prozesse – mit Mitteln zum Ausschluss der Rechtsanwälte, Totalverweigerung der Angeklagten und empfindlichen Strafen für das Ehepaar Huber. Dabei stand die Härte der Strafverfolgung in kaum einem Verhältnis zu den eigentlichen Taten. Der Ruf, die RAF unterstützt zu haben und letztendlich in deren Terror aufgegangen zu sein, haftet dem SPK seither an. Er überlagert, worum es damals eigentlich ging: um die Rechte von Psychiatriepatientinnen und -patienten, Widerstand und um Selbstermächtigung. Um Fragen also, die noch immer Aktualität besitzen. Der Film widmet sich der unerzählten Geschichte des „Deutschen Vorherbstes“ und seinen Folgen bis ins Heute. Eine Geschichte vom Irresein und Irrewerden, ihrer öffentlichen Wahrnehmung und (nicht) zwangsläufigen Gewalt.

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Wo: Schaubühne Lindenfels, Grüner Salon (Karl-Heine-Straße 50)

Wann: Sa 14 September 2019 2019 20:00 – 22:30

Not in my neighbourhood – From Colonization to Gentrification

Brasilien, Südafrika, USA / 2017 / 76 min / Kurt Orderson / original mit engl. UT / Anschließend Diskussion mit Gästen. Gemeinsame Veranstaltung mit dem Polyloid-Festival.

Der Film erzählt die generationenübergreifenden Geschichten darüber, wie Menschen auf die Politik, den Prozess und die Institutionen reagieren, die die gegenwärtigen Formen räumlicher Gewalt und Gentrifizierung in Kapstadt, New York und São Paulo vorantreiben. Der Film zielt darauf ab, die Solidarität zwischen aktiven Bewohnerinnen und -bewohnern zu stärken, indem er die Instrumente und Ansätze beleuchtet, mit denen städtische Aktive, ihre von Kolonialisierung, architektonischer Apartheid und Gentrifizierung betroffenen Städte gestalten und navigieren. „Not in My Neigbourhood“ untersucht die Auswirkungen verschiedener Formen räumlicher Gewalt auf den Geist und die soziale Psyche der betroffenen Menschen. Im Film verfolgen wir die täglichen Kämpfe, Prüfungen und Siegesmomente der aktiven Menschen, die für das Recht auf ihre Städte kämpfen.

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Wo: Pöge-Haus, (Hedwigstraße 20)

Wann: Di 17 September 2019 2019 20:00 – 22:30

Das Versagen der Nachkriegsjustiz

BRD / 2014 / 44 min / Christoph Weber / dt. / Im Anschluss Buchvorstellung “Im Namen des Volkes” und Diskussion mit den Autoren Dieter Skiba und Reiner Stenzel. Gemeinsame Veranstaltung mit der Zeitschrift Rotfuchs.

Als die BRD entstand, war fast ihre gesamte Bevölkerung noch die alte NS-Volksgemeinschaft. Was Wunder, dass Prozesse gegen Nazi-Verbrecher und Schreibtischtäter praktisch nicht mehr stattfanden, nachdem die Alliierten die Aufgabe übertragen hatten. In der Bundesrepublik wurde faschistischen Täterinnen und Tätern durch eine ganze Reihe von Amnestiegesetzen der Weg zur Straflosigkeit geebnet. Dafür sorgten hochrangige Beamtinnen und Beamte im Bundesjustizministerium, viele von ihnen selbst belastet. So weit, so bekannt; nicht ganz so bekannt ist, dass die Bundesrepublik noch bis in dieses Jahrhundert hinein vieles unternahm, um solche Prozesse gar nicht erst stattfinden zu lassen. Aus Gründen des internationalen Ansehens. Der Dokumentarfilm erzählt diese Geschichte mit einer Fülle von Aufnahmen.
In der Veranstaltung wollen wir den Umgang in Ost- und Westdeutschland mit dem Thema diskutieren sowie auf die Relevanz für heute eingehen.

Zum Buch „Im Namen des Volkes – Ermittlungs- und Gerichtsverfahren in der DDR gegen Nazi- und Kriegsverbrecher“ (2016): Leseprobe.

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Wo: Villa Davignon, (Friedrich-Ebert-Straße 77)

Wann: Mi 18 September 2019 2019 20:00 – 22:30

Waltz with Bashir

Israel, Frankreich, BRD / 2008 / 90 min / Ari Folman / dt. / Im Anschluss Diskussion mit Jacqueline Andres (Informationsstelle Militarisierung, IMI).

Eines Nachts in einer Bar erzählt ein alter Freund dem Regisseur Ari von einem immer wiederkehrenden Alptraum, in dem er von 26 dämonischen Hunden gejagt wird. Jede Nacht, immer genau 26 Bestien. Die beiden Männer kommen zu dem Schluss, dass ein Zusammenhang zu ihrem Einsatz im ersten Libanon Krieg bestehen muss. Ari ist überrascht, denn er hat jegliche Erinnerung an diese Zeit verloren. Verstört macht er sich auf, Freunde und Kameraden von damals zu besuchen und zu befragen. Er muss die Wahrheit über jene Zeit und über sich selbst herausfinden. Je tiefer Ari in seine Vergangenheit eindringt, desto klarer werden seine Gedanken und die verdrängten Erlebnisse erscheinen in surrealen Bildern.
Hintergrund: Vor 37 Jahren, – zwischen dem 16. und 18. September 1982 – mitten im libanesischen Bürgerkrieg – wurden die Flüchtlingslager Sabra und Schatila von phalangistischen Milizen gestürmt. Dabei wurden sie vom israelischen Militär, durch Abriegelung der Lager und Abfeuern von Leuchtraketen unterstützt. Nach filmisch belegten Aussagen beteiligter Milizionäre richtete sich die Aktion in erster Linie gegen Zivilisten, bewaffneter Widerstand soll kaum vorhanden gewesen sein. Die Milizionäre verstümmelten, folterten, vergewaltigten und töteten überwiegend Zivilisten, unter ihnen viele Frauen, Kinder und Alte. Das Massaker fand unter Aufsicht des israelischen Militärs statt und wurde damals weltweit verurteilt.

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Wo: UT Connewitz, Wolfgang-Heinze-Straße 12a

Wann: Do 19 September 2019 2019 20:00 – 22:30

Venezuela – Die Ursache im Dunkeln

Frankreich, Kolumbien, Venezuela / 2017 / 39 min / Hernando Calvo Ospina / Original mit dt. UT / Anschließend Diskussion mit Dr. Natalie Benelli (ALBA Suiza) und Prof. Dr. Raina Zimmering (Institut für Internationale Politik (IIP)). Die Veranstaltung findet in Kooperation mit dem Netzwerk „Kritische und Weltoffene Universität” statt.

Der Dokumentarfilm von 2017 ist keine vergängliche Arbeit. Er wird aktuell sein, solange die Vereinigten Staaten daran festhalten, die in Venezuela entstehende Bolivarische Revolution beenden zu wollen, um sich das Erdöl und die anderen Bodenschätze des Landes anzueignen.

Diese Dokumentation stützt sich auf Interviews mit venezolanischen Fachleuten, die in einer verständlichen und didaktischen Sprache eine Geschichte erzählen, die in den großen Massenmedien versteckt oder verzerrt dargestellt wird..

Zum Thema u.a.:
* Venezuela: Die Bundesrepublik Deutschland im Zwiespalt zwischen Völkerrecht und Rostgürtel (Zimmering, Juni 2019, pdf)
* Deklaration zum Venezuela-Konflikt (pdf)

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Wo: Geschwister-Scholl-Haus, HS 301, (Ritterstraße 8-10)

Wann: Mi 25 September 2019 2019 20:00 – 22:30

Der gewöhnliche Faschismus

Sowjetunion / 1965 / 123 min / Michail Romm / dt. / Gemeinsame Veranstaltung mit der Zeitschrift Rotfuchs.

Der Film stellt die Frage, wie es zum deutschen Faschismus kommen konnte und welche zentrale Rolle die großen Monopole dabei spielten. In sechzehn Kapiteln sucht der Filmemacher nach Antworten auf seine Frage, was Menschen dazu bringt, den Faschismus zu bejahen und sogar zum Mörder zu werden.

Aus rund zwei Millionen Metern Material des Reichsfilmarchivs, aus Wochenschauen und Fotos einzelner Soldaten filtert der Film Momente, die belegen, wie sehr das faschistische Deutschland auf Massensuggestion, Auslöschung des Denkens und der Vernunft sowie auf unbedingten Gehorsam gegenüber dem “Führer” setzte. In beeindruckenden Montagen zeigt er die Verwandlung der zivilen Menge in eine uniformierte Gesellschaft.

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Wo: UT Connewitz, Wolfgang-Heinze-Straße 12a

Wann: Do 26 September 2019 2019 20:00 – 22:30

Revenir

Frankreich, Elfenbeinküste / 2018 / 77 min / David Fedele und Kumut Imesh / original mit dt. UT / Im Anschluss Diskussion mit Kumut Imesh.

Seit langem schon erzählen Journalisten die Geschichten von Geflüchteten aus Westafrika – doch es ist stets ein fremder Blick auf sie. Dieser Film ist eine Geschichte von innen. Teilweise Roadtrip, teils Memoiren, teils journalistische Recherchen. Der Film folgt Kumut Imesh, einem in Frankreich lebenden Geflüchteten von der Elfenbeinküste, auf seiner Rückkehr auf den afrikanischen Kontinent und versucht, den gleichen Weg zurückzuverfolgen, den er selbst bei seiner Flucht vor dem Bürgerkrieg Jahre vorher eingeschlagen hat. Aber diesmal mit einer Kamera in der Hand.

Kumut reist alleine und dokumentiert seine eigene Reise. Sowohl als wichtigster Protagonist vor der Kamera als auch als Person dahinter, die den menschlichen Kampf für Freiheit und Würde auf einer der noch immer gefährlichsten Migrationsrouten der Welt enthüllt. Ein kontroverses Filmexperiment, eine mutige Reise und eine einzigartige Zusammenarbeit zwischen Filmemacher und Geflüchteten.

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Wo: Schaubühne Lindenfels, Karl-Heine-Straße 50

Wann: Di 01 Oktober 2019 2019 18:30 – 21:00

Gundermann

BRD / Spielfilm / 2018 / 127 min / Andreas Dresen / dt. / Im Anschluss Diskussion. Achtung: Der Film beginnt bereits 18:30 Uhr und nicht wie üblich 20 Uhr.

System

Der Film wirft einen Blick auf das Leben von Gerhard Gundermann, einem der prägendsten Künstler im Osten. Er zeigt ausgewählte Episoden aus dem Leben des Liedermachers und Baggerfahrers.
Gundermanns Leben und seine Umwelt sind geprägt von Widersprüchen: Seine Arbeit reißt die Erde auf, gleichzeitig beschreibt und besingt er die Schönheiten der Natur. Er gewinnt Inspirationen für seine Lieder und Songs, während er auf dem Bagger sitzt und Braunkohle abbaut. Als überzeugter Kommunist stößt er mit seiner Direktheit und Eigenwilligkeit an Grenzen. Der Film blickt noch einmal auf ein verschwundenes Land und die Hoffnungen die ‘89 kurz aufflammten und in der Konterrevolution erstickten.

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Wo: Jugend- und Altenhilfeverein Paunsdorf (Goldsternstraße 9)

Wann: Mi 02 Oktober 2019 2019 20:00 – 22:30

Everything must fall

Südafrika / 2018 / 85 min / Rehad Desai / original mit UT (englisch) / Im Anschluss Diskussion.

Weniger

Der Film wirft einen Blick auf die #FeesMustFall Studierendenbewegung, die 2015 als Protest gegen die Erhöhung der Studiengebühren in die politische Landschaft Südafrikas eindrang und zu den militantesten nationalen Aufständen seit den ersten demokratischen Wahlen 1994 führte.

Im Zentrum des Films steht ein Generationenkonflikt, der uns mit einem wichtigen zeitgenössischen Diskurs über die Konzeptualisierung der Hochschulbildung als öffentliches Gut verbindet. Im Laufe der Proteste gab es drei Todesfälle und über 800 Festnahmen. Indem dramatische Entfaltungshandlungen mit einer Erzählung mehrerer Protagonistinnen und Protagonisten kombiniert werden, liegt ein Großteil des Dramas in den internen Kämpfen, die die Aktivistinnen und Aktivisten um Einfluss in der Führung der Bewegung führen. Durch den Film zieht sich ein Impuls der darauf hindeutet, dass die jungen Menschen an einem Wendepunkt angelangt sind und erst dann zurückkehren, wenn sie die Art sozialer Transformation erreichen, auf die frühere Generationen lange verzichtet hatten.

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Wo: Ost-Passage Theater, (Konradstr. 27)

Wann: Do 03 Oktober 2019 2019 20:00 – 22:30

Letztes Jahr Titanic

BRD 1991 / 97 min / Andreas Voigt und Sebastian Richter / dt. / Im Anschluss Diskussion u.a. mit Prof. Dr. Cornelius Weiss.

Leipzig. Die Umbruchszeit in der DDR zwischen Dezember 1989 und Dezember 1990. Lebengeschichten und Schicksale, Alltagsgeschichten, Menschen in Leipzig. Wie erleben sie dieses Jahr? Wahlkämpfe und Wahlen, die Einführung der D-Mark, die Freiheit des Reisens, die zunehmende wirtschaftliche Unsicherheit – schließlich die Auflösung ihres Landes, die Annexion der DDR und der Ausverkauf einer ganzen Volkswirtschaft.
Wolfgang, der Eisengießer, war zweimal wegen „versuchter Republikflucht“ im Gefängnis. Er will so schnell wie möglich die Westmark, die Wiedervereinigung und selbst in den Westen gehen. Sylvia macht ihre Kneipe zu. Ihr Mann hat schon Arbeit in Bayern. Nach der Währungsunion geht auch sie.
Renate, eine ehemalige Journalistin, spricht über ihre Kontakte zur Staatssicherheit, über Verantwortung und Schuld, gleich zu Beginn des Jahres 1990, zu einer Zeit als das noch kaum jemand tat. Isabell ist vierzehn, Schülerin und „Grufti“. Am Tag des neuen Geldes kommen ihr die Tränen. Für John, den Red-Skin und Hausbesetzer, sind Faschos keine Menschen und Gewalt gegen sie der einzige Weg. Lebensgeschichten und Schicksale in Leipzig – gedreht über ein Jahr hinweg – im letzten Jahr der Deutschen Demokratischen Republik.

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Wo: Cinémathèque Leipzig in der naTo, Karl-Liebknecht-Straße 46

Wann: Fr 04 Oktober 2019 2019 20:00 – 23:00

Sonderveranstaltung: Was kostet die Welt?

BRD / 2018 / 90 min / Bettina Borgfeld / dt. und original mit dt. UT. Anschließend Diskussion u.a. mit Bettina Borgfeld. / Eine gemeinsame Veranstaltung der Moritzbastei und der globaLE. Die Veranstaltung steht nicht im gedruckten Programm.

Die kleine Insel Sark war bis zum Jahr 2008 der letzte feudalistisch regierte Staat Europas. Nur 600 Menschen leben dort, inmitten von grünen Auen, windschiefen Bäumen und sehr vielen Schafen – aber mit einem eigenem Parlament und eigenen Gesetzen. Direkt der Krone unterstellt, regierten Fischer, Gärtner und Milchbauern die Insel über die Jahrhunderte nach ihren Vorstellungen von Grundbesitz, Steuern und Recht.

Bis zwei britische Milliardäre beginnen, gegen die Gesetze der Insel juristisch vorzugehen und Stück für Stück der Insel aufzukaufen. Das gute Recht der einen wird für Andere zum Albtraum. Und die idyllische Insel wird zum Schauplatz eines absurden Konfliktes um Demokratie, Meinungsfreiheit und gesellschaftliche Verantwortung.
In Zeiten von Fake News, Panama Papers und Turbokapitalismus blickt der Film auf eine kleine Gemeinschaft, die sich gegen einen milliardenschweren Investor stellt und einen hohen Preis dafür zu zahlen hat.

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Wo: Moritzbastei (Kurt-Masur-Platz 1 bzw. Universitätsstr. 9)

Wann: Di 08 Oktober 2019 2019 20:00 – 22:30

Katrins Hütte

BRD / 1991 / 91 min / Joachim Tschirner / dt. / Im Anschluss Diskussion.

Am Beispiel der Abwicklung der thüringischen Maxhütte begleitet der Film die Blockwalzerin und Volkskammerabgeordnete Katrin Hensel in den Jahren des Endes der DDR. Die Langzeitdokumentation, welche im März 1986 begann, begleitete Katrin bis in das Jahr 1991 hinein, so werden Sorgen, Ängste, Erfolge, Hoffnungen und Enttäuschungen bei ihrer beruflichen und privaten Entwicklung erkennbar. Besonders problematisch war für sie und ihren Mann Faiko die Zeit um die politische „Wende“ in der DDR und ihrer Folgen für die Vollbeschäftigung. Zunehmend sichtbar wird der Wandel einer dynamischen Frau im ewigen Kampf zwischen eigenen Ansprüchen, Aus- und Weiterbildung, Privatleben, Volkskammertätigkeit, politischem Engagement, und dem ernüchternden Erkennen der Tatsachen beim Kampf um den Erhalt des Arbeitsplatzes, dem offenem Mobbing der Kollegen und dem Versagen beim Politikwechsel nach der Annexion der DDR.

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Wo: Neues Schauspiel Leipzig, Lützner Straße 29

Wann: Mi 09 Oktober 2019 2019 20:00 – 23:30

Skulls of my people

Südafrika, Namibia / 2016 / 67 min / Vincent Moloi / englisch und deutsch / Anschließend Diskussion mit dem Aktivisten Israel Kaunatjike.

Nach einer Besprechung der südafrikanischen Zeitung „Mail & Guardian“ von „Skulls of my people“ war es „eine harmlose Frage“, die den südafrikanischen Filmemacher Vincent Moloi auf einen Kampf um Landrechte und Reparationszahlungen im Nachbarland Namibia aufmerksam machte. Er sah ein Foto von einem traditionellen Herero-Kleid und fragte sich, wieso dieses an europäische Moden erinnerte. So stieß er auf die Geschichte des Genozids, bei dem Anfang des 20. Jahrhundert vier von fünf Herero und die Hälfte der Nama unter deutscher Kolonialherrschaft ermordet wurden.

Moloi musste feststellen, dass niemand von seinen Freunden jemals davon gehört hatte. Damit stand für ihn fest, dass „diese Geschichte erzählt werden muss“. Acht Jahre lang dokumentierte er die Bemühungen der Herero und Nama, die deutsche Regierung zur Anerkennung der historischen Verbrechen und zu Entschädigungszahlungen zu bewegen, und die namibische Regierung zur Rückgabe des damals gestohlenen Landes, das bis heute mehrheitlich im Besitz weißer Siedler ist.

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Wo: Ost-Passage Theater, (Konradstraße 27)

Wann: Do 10 Oktober 2019 2019 20:00 – 22:30

Eldorado

BRD, Schweiz / 2018 / 92 min / Markus Imhoof / original mit dt. UT / Im Anschluss Diskussion.

Der Film verbindet Kindheitserfahrungen des Regisseurs mit gegenwärtigen Beobachtungen aus der “Festung Europa”. Eldorado begleitet Geflüchtete entlang der globalen Migrationsroute nach Norden, übers Meer, durch Lager, Tomatenplantagen und graue Amtsstuben.
“Das Einzige, was uns am Ende bleibt, sind Erinnerungen, die auf Liebe basieren.”
Es ist eine solche Erinnerung, die Markus Imhoof sein Leben lang begleitet hat: Es ist Winter, die Schweiz ist das neutrale Land inmitten des Zweiten Weltkriegs und seine Mutter wählt am Güterbahnhof ein italienisches Flüchtlingskind aus, um es aufzupäppeln. Das Mädchen heißt Giovanna – und verändert den Blick, mit dem der kleine Markus die Welt sieht.
70 Jahre später kommen wieder Fremde nach Europa. Markus Imhoof hat Giovanna nie vergessen, hat ihre Spuren verfolgt und in ihrem Land gelebt. Nun geht er an Bord eines Schiffes der italienischen Marine, es ist die Operation “Mare Nostrum”, in deren Verlauf mehr als 100.000 Menschen aus dem Mittelmeer gezogen werden. Mit den Augen des Kindes, das er damals war, spürt er den Fragen nach, die ihn seit jeher umtreiben.
Der Dokumentarfilm erzählt eine sehr persönliche Geschichte, um ein globales Phänomen erfahrbar zu machen. Seine Fragen nach Menschlichkeit und gesellschaftlicher Verantwortung in der heutigen Welt führen den Filmemacher zurück zu den Erlebnissen seiner Kindheit und seiner ersten Liebe.

Hintergründe zu “Mare Nostrum”: Mare Nostrum – Humanitaere Operation oder Deckmantel militarisierter Migrationspolitik?

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Wo: Werkcafé Leipzig, im Kulturhof Gohlis (Eisenacher Straße 72)

Wann: Mi 16 Oktober 2019 2019 20:00 – 22:30

Über Bananen und Republiken

BRD, Frankreich / 2017 / 52 min / Mathilde Damoisel / dt. / Im Anschluss Diskussion u.a. mit Peter Schönhoffer.

Die Dokumentation schildert, wie die Banane zum weltweiten Exportprodukt und die United Fruit Company – heute als „Chiquita“ bekannt – zu einem multinationalen Imperium wurde. Ein Imperium das mittelamerikanische Nationen zu “Bananenrepubliken” degradierte und mit Monokulturen hektarweise Landstriche zerstörte. Außerdem wird gezeigt, wie sich amerikanische Abenteurer in diktatorische “Bananenunternehmer” verwandelten, die mithilfe eines gerissenen Werbefachmanns den Grundstein des globalisierten Kapitalismus legten.

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Wo: Neues Schauspiel, (Lützner Straße 29)

Wann: Do 17 Oktober 2019 2019 18:30 – 21:30

Welcome to Sodom – Dein Smartphone ist schon hier

Ghana, Österreich / 2018 / 92 min / Florian Weigensamer, Christian Krönes / Original mit dt. UT / Im Anschluss Diskussion u.a. mit Magdalena Gack (Arbeitsbereich Ressourcengerechtigkeit beim INKOTA-Netzwerk).

Der Dokumentarfilm lässt hinter die Kulissen von Europas größter Müllhalde mitten in Afrika blicken und portraitiert die Verliererinnen und Verlierer der digitalen Revolution.
Dabei stehen nicht die Mechanismen des illegalen Elektroschrotthandels im Vordergrund, sondern die Lebensumstände und Schicksale von Menschen, die am untersten Ende der globalen Wertschöpfungskette stehen. Die Müllhalde von Agbogbloshie wird höchstwahrscheinlich auch letzte Destination für die Tablets, Smartphones und Computer sein, die wir morgen kaufen!

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Wo: Bürgerverein Messemagistrale, (Straße des 18. Oktober 10a)

Wann: Sa 19 Oktober 2019 2019 20:00 – 22:00

Das Totenschiff

Mike Nagler liest aus dem Werk B. Travens. Kein Film.

„Ich war nicht geboren, hatte keine Seemannskarte, konnte nie im Leben einen Pass bekommen, und jeder konnte mit mir machen, was er wollte, denn ich war ja niemand, war offiziell gar nicht auf der Welt, konnte infolgedessen auch nicht vermisst werden.“

Unter dem Pseudonym B. Traven sind in der Zeit von 1926 bis 1950 insgesamt 16 Bücher erschienen. Spannende Abenteuerromane, die sich zugleich kritisch mit Herrschaft, Ungerechtigkeit und sozialer Ungleichheit auseinandersetzen. Genau das macht das Besondere an den Werken Travens aus und begründet ihre bis heute anhaltende Aktualität.

Der Erzähler verpasst nach einem Landurlaub in Antwerpen sein Schiff. Da sein einziges Identitätsdokument, nämlich seine Seemannskarte, an Bord geblieben ist, macht er eine neue Erfahrung, nämlich ohne Papiere durch alle Maschen anerkannter gesellschaftlicher Zugehörigkeit zu fallen. Als Staatenloser geltend, wird er über Landesgrenzen abgeschoben und macht eine Irrfahrt durch Westeuropa von Belgien über die Niederlande nach Frankreich, Spanien und schließlich Portugal…

„Gegen Sturm und Wellen konnte er kämpfen, mit Farbe und mit harten Fäusten; gegen Paragraphen, Bleistifte und Papier nicht.“

In der Erzählung laufen zwei große Themenstränge zusammen und ergänzen sich zum Totenschiff, als Bild vom untergehenden Spätkapitalismus: die Verdinglichung des Menschen zum Schatten seiner Pässe und Berechtigungsnachweise. Der zweite Themenstrang zeigt die bis heute nicht stark veränderten aktuellen Profitpraktiken der kapitalistischen Seefahrt. Auch wenn das Buch vor nahezu einhundert Jahren geschrieben wurde, so findet man viele Stellen an denen man aktuellste Parallelen zur heutigen Gesellschaft ziehen kann.

Wo: Haus Steinstraße, Dachtheater (Steinstraße 18)

Wann: Mo 21 Oktober 2019 2019 20:00 – 23:00

Sonderveranstaltung: Die rote Linie – Widerstand im Hambacher Forst

BRD / 2019 / 115 min / Karin de Miguel Wessendorf / dt. /Im Anschluss Diskussion u.a. mit “Clumsy” und weiteren Aktivist/innen von “Ende Gelände” und “Extinction Rebellion”. Achtung: Diese Veranstaltung ist im Sommer am Strand des Kulkwitzer Sees aufgrund von Regen ausgefallen und wird nun an dieser Stelle nachgeholt, daher steht der Termin nicht im gedruckten Programm.

Der Film erzählt den Protest gegen die Vernichtung des Hambacher Forstes und den Widerstand gegen den Braunkohleabbau aus Sicht verschiedener Gruppen, die sich erst alleine, dann gemeinsam gegen den Energieriesen RWE stellen. Eine lokale David-gegen-Goliath-Geschichte unabdingbar mit den global relevanten Themen Klimawandel, Energiepolitik und ziviler Protestbewegung verknüpft. Der Hambacher Forst ist zu einem Symbol des Widerstandes gegen die bisherige Energiepolitik geworden. Die Auseinandersetzungen um die Räumung des Waldes im Herbst 2018 haben gezeigt, wie dringend die Diskussion um einen früheren Braunkohleausstieg für viele Menschen ist.
Seit 2015 begleitet die Regisseurin Menschen, die sich gegen den Braunkohletagebau im rheinischen Revier wehren: Clumsy, ein junger Waldbesetzer, der im Baumhaus lebt, um die Rodung des Waldes zu verhindern. Antje Grothus, eine Anwohnerin aus Buir, die sich erst mit einer Bürgerinitiative für den Erhalt der Lebensqualität in ihrem Dorf einsetzt und später von der Bundesregierung in die Kohlekommission einberufen wird als Vertreterin der Betroffenen in der Region. Lars Zimmer, ein Familienvater, der in einem Geisterdorf ausharrt, um Sand im Getriebe der Umsiedlung zu sein. Michael Zobel, Naturpädagoge, der erst kleine Führungen anbietet, um für die ökologische Bedeutung eines uralten Waldes zu sensibilisieren und später eine bewegende Ansprache an die Verantwortlichen richtet.
Der Film beobachtet, begleitet und mischt sich ein. Nebenbei erleben wir die Entstehung einer Bürgerbewegung, und diskutieren die Frage, wann die Rote Linie überschritten ist und ab welchem Punkt sich Menschen über die persönliche Betroffenheit engagieren.

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Wo: Ost-Passage Theater, (Konradstr. 27)

Wann: Mi 23 Oktober 2019 2019 20:00 – 22:30

Jakarta Disorder

BRD, Indonesien / 2013 / 88 min / Ascan Breuer / original mit dt. UT / Im Anschluss Diskussion.

Oma Dela lebt im Slum. Wardah ist dagegen eine Intellektuelle und politische Hochaktivistin. Zusammen versuchen die beiden die rechtlosen Armen Jakartas gegen die vielen Zwangsräumungen zu mobilisieren. Viele Bewohnerinnen und Bewohner der Metropole leben in wilden Siedlungen, so genannten „Kampungs“, die in den vergangenen Jahrzehnten auf nicht-gewidmeten Flächen entstanden sind. Diese Siedlungen sollen nun den Großprojekten weichen, die wie Pilze aus dem Boden schießen.

Es ist Wahlkampf: In Indonesien wird der Präsident gewählt. Oma Dela und Wardah wollen sich aber mit bloßen Wahlen nicht zufrieden geben. Statt sich wie üblich von den elitären Bewerbern mit Almosen abspeisen zu lassen, wollen sie lieber echte Zugeständnisse an das Wahlvolk sehen: Ihr Forderungskatalog an die Kandidaten umfasst fünf Punkte, die ebenso einfach wie grundsätzlich sind: Arbeit, Wohnen und Bildung für alle, soziale Krankenversicherung sowie formale Anerkennung der informellen Wirtschaft. Sie wollen anderthalb Millionen Menschen dafür gewinnen, einen Vertrag zu unterschreiben. Damit versprechen sie, jenen Kandidaten zu wählen, der die fünf Forderungen wirklich umsetzen mag. Für Oma Dela und Wardah beginnt damit ein Kampf von Haustür zu Haustür. Mit voller Energie stürzen sie sich in dieses rasante Abenteuer mit ungewissem Ausgang: Kann die Macht der Vielen tatsächlich die Macht einer kleinen Elite brechen oder bleibt „echte Demokratie“ ein Ideal?

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Wo: Ost-Passage Theater, (Konradstr. 27)

Wann: Do 24 Oktober 2019 2019 20:00 – 22:30

Eldorado – The struggle for Skouries

Griechenland / 2018 / 56 min / Wasil Schauseil, Leo Helbich / original mit dt. UT / Im Anschluss Diskussion mit Wasil Schauseil und Leo Helbich. Die Veranstaltung findet in Kooperation mit dem Netzwerk „Kritische und Weltoffene Universität” statt.

In den Bergen von Chalkidiki im Norden Griechenlands tobt seit mehr als dreißig Jahren ein harter Kampf gegen die Bergbauindustrie und deren zerstörerische Folgen für die Natur. Mitten im gut 317 Quadratkilometer großen Bergbaukomplex befinden sich drei Abbauorte: die Gold- und Kupfermine Skouries, die ältere Silber-, Blei- und Zinkmine Stratoni, und Olimpiada, eine Gold-, Blei- und Zinkmine mit einem angeschlossenen Weiterverarbeitungswerk. Der Film dokumentiert den Kampf der Bevölkerung gegen Umweltzerstörung und Menschenrechtsverletzungen bei Europas größtem Bergbauprojekt.

Hintergrund: Der goldene Tod.

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Wo: Geschwister-Scholl-Haus, HS 301, (Ritterstraße 8-10)

Wann: Mi 30 Oktober 2019 2019 18:00 – 20:30

Kaufen für die Müllhalde

Frankreich, Spanien / 2010 / 90 min / Cosima Dannoritzer / dt. und original mit dt. UT / Anschließend Diskussion u.a. mit Gästen von Das Café Kaputt, dem Unverpackt-Laden Locker & Lose und anderen. Achtung: Die Veranstaltung beginnt bereits 18 Uhr, – auf dem Flyer ist die falsche Uhrzeit gedruckt!

Glühbirnen, Nylonstrümpfe, Drucker, Mobiltelefone – bei den meisten dieser Produkte ist das Abnutzungsdatum in der kapitalistischen Warenproduktion bereits geplant. Die Verbraucher sollen veranlasst werden, lieber einen neuen Artikel zu kaufen, als den defekten reparieren zu lassen. Die bewusste Verkürzung der Lebensdauer eines Industrieerzeugnisses, zum Zweck die Wirtschaft in Schwung zu halten, nennt man “geplante Obsoleszenz”. Bereits 1928 schrieb eine Werbezeitschrift unumwunden: “Ein Artikel, der sich nicht abnutzt, ist eine Tragödie fürs Geschäft”.
Gestützt auf mehr als drei Jahre andauernde Recherchen erzählt der Dokumentarfilm die Geschichte der geplanten Obsoleszenz. Sie beginnt in den 20er Jahren mit der Schaffung eines Kartells, das die Lebensdauer von Glühbirnen begrenzt, und gewinnt in den 50er Jahren mit der Entstehung der Konsumgesellschaft weiter an Boden.
Heute wollen sich viele Verbraucher nicht mehr mit diesem System abfinden. Als Beispiel für dessen verheerende Umweltfolgen zeigt der Dokumentarfilm die riesigen Elektroschrottdeponien im Umkreis der ghanaischen Hauptstadt Accra. Neben diesem schonungslosen Blick auf die Wegwerfgesellschaft stellt Filmemacherin Cosima Dannoritzer auch die Lösungsansätze von Unternehmern vor, die alternative Produktionsweisen entwickeln. Und Intellektuelle mahnen an, die Technik möge sich auf ihre ursprüngliche Aufgabe zurückbesinnen, auf die dauerhafte Erleichterung des Alltags ohne gleichzeitige Verwüstung des Planeten.

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Wo: Schaubühne Lindenfels, Grüner Salon, (Karl-Heine-Str. 50)

Wann: Do 31 Oktober 2019 2019 20:00 – 23:00

Sara – Mein ganzes Leben war ein Kampf

Türkei / 2015 / 95 min / Dersim Zerevan / kurdisch, türkisch mit dt. UT / Im Anschluss werden wir mit dem Rechtsanwalt Lukas Theune über die Problematik politischer Repression in der Bundesrepublik gegen die kurdische Linke diskutieren.

System

Sakine Cansiz ist Gründungsmitglied der Arbeiterpartei Kurdistans PKK und schloss sich als eine der ersten Frauen dem bewaffneten Widerstand für die Befreiung Kurdistans an. Sie ist eine der wichtigsten Symbol- und Identifikationsfiguren für die kurdische Befreiungsbewegung, insbesondere für kurdische Frauen.
Der Film erzählt ihre Geschichte in chronologischer Abfolge: Kindheit, Jugend, Gründung der PKK 1978, 10 Jahre Gefängnisaufenthalt bis hin zu dem Tag, an dem sie und zwei ihrer Genossinnen, Fidan Dogan und Leyla Saylemez, am 9. Januar 2013 in Paris ermordet worden sind.

Trailer

Wo: Neues Schauspiel Leipzig, (Lützner Straße 29)

Wann: Mi 06 November 2019 2019 20:00 – 22:30

Guerrero

Mexiko / 2017 / 114 min / Ludovic Bonleux / spanisch mit dt. UT / Im Anschluss Diskussion u.a. mit Gerardo Lerma Hernandez.

Guerrero"

Im mexikanischen Bundesstaat Guerrero unterstellt die Bevölkerung der Regierung, mit den Drogenkartellen zusammenzuarbeiten. Deshalb organisieren sich die Menschen, um selbst die Probleme und Gewalt, die durch Drogenhandel und Korruption entstanden sind, anzugehen. Der Filmemacher Ludovic Bonleux hat bereits zahlreiche Filme über die Lebensumstände im mexikanischen Bundesstaat Guerrero gedreht. In seiner neuesten Dokumentation begleitet er drei Menschen, die sich entschlossen haben, sich zu organisieren und gegen den Zustand von Straflosigkeit und Gewalt Widerstand zu leisten, der sie beständig umgibt: Coni, eine Frau in der eigenorganisierten Gemeindepolizei, die gegen die schlechte Regierung sowie am Drogenhandel beteiligte Gangs kämpft. Mario, einen jungen Mann auf der Suche nach seinem verschwundenen Bruder, und Juan, einen Lehrer in einer ländlichen Region. Sie sprechen über ihre Überzeugungen, ihre Ängste und Zweifel. Ihre Geschichten werden in den Kontext des Chaos gesetzt, dass sich in Folge des Verschwindens der 43 Studenten der Escuela de Maestros in Ayotzinapa ergeben hat.

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Wo: Neues Schauspiel, (Lützner Straße 29)

Wann: Do 07 November 2019 2019 20:00 – 22:30

Chocolate de paz

Kolumbien / 2017 / 60 min / Gwen Burnyeat und Pablo Mejía Trujillo / spanisch mit dt. UT / Anschließend Diskussion mit Heike Kammer (Peace Brigades International).

Die Friedensgemeinde San José de Apartadó in Kolumbien weigert sich seit ihrer Gründung 1997 Partei für eine der im bewaffneten Konflikt beteiligten Gruppen zu ergreifen – Paramilitärs, Guerillagruppen oder die Armee – und kämpft mit gewaltfreien Mitteln für ein Leben in Frieden. Mehr als 250 Mitglieder der Friedensgemeinde und Zivilisten, die in der Gegend wohnten, sind seitdem getötet worden oder gewaltsam verschwunden.
Chocolate de Paz beschreibt die Erfahrungen der Friedensgemeinde. Er durchläuft dafür den Prozess von Anbau und Produktion von Bio-Schokolade mit Beginn der Aussaat der Kakaopflanze bis zur Verarbeitung. Kakao ist der Erzählfaden, der uns Geschichten von Gewalt und Widerstandskraft in einer Gemeinde näher bringt, die versucht, neutral gegenüber allen Gewaltakteuren des Konfliktes zu bleiben. Die Gemeinde erhielt im September 2007 den Aachener Friedenspreis.

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Wo: Cinémathèque Leipzig in der naTo, (Karl-Liebknecht-Straße 46)

Wann: Fr 08 November 2019 2019 19:00 – 22:00

Vor-Premiere: Der marktgerechte Mensch

BRD / 2019 / 90 min / Leslie Franke und Herdolor Lorenz / dt. / Im Anschluss Streitgespräch mit Gästen. / Eine gemeinsame Veranstaltung der globaLE in Kooperation mit dem studium universale der Universität Leipzig. Achtung: Beginn bereits 19 Uhr, nicht wie sonst üblich 20 Uhr.

System

Im Kapitalismus wird alles zur Ware, – auch der Mensch selbst. Wenn Effizienz als einziger anzustrebender Wert auf dem freien Markt übrig bleibt, verändert sich die Arbeitswelt in eine pausenlose Konkurrenzmaschinerie. Was geschieht mit Menschen, die zunehmend in allen Bereichen dem Wettbewerbsdiktat unterworfen sind?
Europa ist im Umbruch. Seit dem neuen Jahrtausend und zuletzt nach der „Finanzkrise“ wurden neue Weichen gestellt. Die sogenannte „soziale Marktwirtschaft“, gesellschaftliche Solidarsysteme, über Jahrzehnte erstritten, werden infrage gestellt. Besonders der Arbeitsmarkt und mit ihm die Menschen verändern sich rasant. Noch vor 20 Jahren waren in der Bundesrepublik knapp zwei Drittel der Beschäftigten in einem Vollzeitjob mit Sozialversicherungspflicht. Heute sind es noch 38%. Aktuell arbeitet bereits knapp die Hälfte der Beschäftigten in Unsicherheit. Sie befinden sich in Praktika, wiederholt befristeter Arbeit, in Werkverträgen und Leiharbeit. Sogar die vollkommen ungesicherten Jobs der „Crowdworker“ (Internet-Arbeiter) und der „Gig-Economy“ (Auftragsarbeit per App) breiten sich gerade bei jungen Leuten schnell aus. Diese Jobs funktionieren auf Honorarbasis und unterlaufen den Mindestlohn. Sozialversichern müssen sich alle selbst wie Kleinstunternehmer. Welche Folgen hat das für die Gesellschaft und die Solidargemeinschaft? Sozialwissenschaftler prognostizieren z.B. eine enorme gesellschaftliche Belastung durch hohe Altersarmut.

Welche Folgen hat die Arbeitsmarktderegulierung für die Menschen? Wer auf dem Arbeitsmarkt und in der Gesellschaft mitspielen will, muss sich von klein auf auf Flexibilität und Wettbewerb einstellen. Wie verändert diese Unbeständigkeit und Konkurrenz uns Menschen selbst und unsere sozialen Beziehungen zu anderen? Wie gehen junge Erwachsene mit den veränderten Bedingungen um? Schafft das vielleicht sogar neue Freiheiten? Der Film fragt nach, ob der Mensch von Natur aus auf Egoismus und Konkurrenz gepolt ist, oder ob nicht eher die Fähigkeit zur Zusammenarbeit seine Entwicklung gefördert hat. Eine junge Protagonisten-Familie führt uns durch die verschiedenen Ebenen von befristeter Beschäftigung, Leih- und Werkverträgen und nicht zuletzt zu den Familienproblemen, die aus dieser Situation erwachsen.

Wie konnte es zu dieser Entwicklung kommen? Welche politischen Entscheidungen waren bestimmend, als seit den 1980er Jahren zuerst in den USA und dann auch in Großbritannien der schlanke Staat, die Beseitigung aller Schranken des Marktes und der entgrenzte globale Wettbewerb propagiert wurden? In der Bundesrepublik etablierte sich diese Politik erstmals mit der Rot-Grünen Regierung Schröder/Fischer. Mit einer Senkung der Unternehmenssteuern und der Deregulierung des Arbeitsmarktes schaffte sie es, deutschen Konzernen nachhaltig Kostenvorteile zu verschaffen. Die Realeinkommen sanken allerdings infolge dessen zwischen den Jahren 2000 und 2010 im Mittel um 4,2 Prozent, im unteren Lohnbereich sogar um bis zu 23,1 Prozent.

„Wir haben geliefert“ sagen die verantwortlichen Politiker in Griechenland, Italien Spanien und Portugal. Auch sie haben nach der Finanzkrise gezwungenermaßen den Arbeitsmarkt dereguliert. Die Arbeitslosigkeit ist dadurch nirgendwo gesunken. In der von der Bundesrepublik und Frankreich dominierten EU herrscht das Kapital und die Macht der Banken und Konzerne. Fast alle Menschen in Europa verlieren an sozialer Sicherheit und werden in einen Konkurrenzkampf geschickt, der zunehmend alle Lebensbereiche umfasst und viele ins Abseits drängt. Der Film fragt auch nach den gesellschaftlichen Kosten für Behandlung und Reintegration derjenigen, die es nicht schaffen und angeblich „selbst schuld“ sind. Der Film „Der marktgerechte Mensch“ diskutiert schließlich verschiedene Versuche, dieser Entwicklung entgegenzutreten, sie sozial abzufedern und ihr auch individuell zu entgehen. Es ist ein Film, der Verständnis schaffen will und Mut macht, sich einzumischen.

Mehr Infos: Der marktgerechte Mensch.

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Wo: Universität Leipzig, Audimax, (Augustusplatz 10)

Wann: Fr 22 November 2019 2019 12:00 – 15:00

Sonderveranstaltung: Shusenjo – The Main Battleground of The Comfort Women Issue

Japan / 2018 / 120 min / Dezaki Miki / original mit engl. UT. Anschließend Diskussion mit Dezaki Miki. Eine Veranstaltung des Ostasiatischen Instituts – Japanologie – der Universität Leipzig in Kooperation mit der globaLE.

Um die japanisch-(süd)koreanischen Beziehungen ist es derzeit sehr schlecht bestellt, nicht nur politisch und wirtschaftlich, sondern auch in der gegenseitigen kulturellen Wahrnehmung und Darstellung. Nicht selten wird die Stimmung angeheizt durch Hasstiraden über diverse Kanäle der Neuen Medien. Instrumentalisiert werden dabei immer wieder auch Konflikte und Themen, die etwas mit der kolonialen Vergangenheit zu tun haben – vor allem die der Zwangsarbeit und der Zwangsprostitution, die viele koreanische „Untertanen“ (wie auch Angehörige anderer Nationen) während des Zweiten Weltkrieges erleiden mussten.
In seinem 2018 erstmals aufgeführten Dokumentarfilm “Shusenjo: The Main Battleground of The Comfort Women Issue” hat der Regisseur Dezaki Miki sich die mutige und komplizierte Aufgabe gestellt, möglichst viele Protagonisten der bereits seit Anfang, Mitte der 1990er Jahre immer wieder heftig hochkochenden Auseinandersetzungen um die euphemistisch als „Trostfrauen“ bezeichneten geschundenen Frauen und Mädchen zu Wort kommen zu lassen:
Einige der überlebenden Opfer selbst, einstige Täter, Wissenschaftler/innen, die sich seit vielen Jahren um die Aufarbeitung dieses dunklen Kapitels widmen, aber auch Geschichtsrevisionist/innen (in Japan, den USA, Korea), die es in den Dienst eigener politischer Interessen stellen, bis hin zu krudesten Leugnungen dieser Verbrechen.
Seit dem Erscheinen des Werkes sieht sich der japanisch-amerikanische Regisseur Miki Dezaki Angriffen auf seine Person selbst wie auch auf den Film ausgesetzt. Erst jüngst sollte seine Aufführung auf einem Filmfestival der Stadt Kawasaki im Großraum Tokio nach Drohungen von rechts abgesagt werden: die Sicherheit bei der Aufführung sei nicht gewährleistet. Nun wird er doch gezeigt – dank des Engagements vieler Freiwilliger, die den Organisatoren zu Hilfe kommen.

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Wo: Universität Leipzig, Hörsaalgebäude, Hörsaal 12, Universitätsstraße 1 (Campus Augustusplatz)